Schlagwort-Archive: Holocaust

[Rezension] Anna Goldenberg – Versteckte Jahre

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Anna Goldenberg konstruiert in Versteckte Jahre die Lebensgeschichte ihrer Großeltern und deren Familien während der Zeit des Nationalsozialismus. Besonderes Augenmerk liegt auf ihrem Großvater Hansi, der von Josef Feldner, einem Arzt versteckt wurde und so überleben konnte. Später adoptierte der seinen Ziehsohn und sie blieben eng verbunden. Weiterlesen

[Rezension] Die berüchtigte Greiferin Stella Goldschlag

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Bevor Peter Wyden und seine Eltern in die USA emigrieren und sich so vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten retten konnten, besuchte er in Berlin die Goldschmidt-Schule. Sie war jüdischen Schülern vorbehalten, denn nach dem 15. November 1935 war es ihnen untersagt, öffentliche Schulen zu besuchen. Dort fiel ihm besonders ein blondes Mädchen auf – Stella Goldschlag. Niemand schien sich ihrer Ausstrahlung entziehen zu können. Im Chor stand er neben ihr und versuchte auch sonst, ihr nahe zu sein, doch seine Schüchternheit machte ihm immer einen Strich durch die Rechnung. Weiterlesen?

[Rezension] Jane Yolen: Dornrose

Dornrose

Beccas stärkste Erinnerung an ihre Großmutter Gemma ist das Märchen von Dornröschen, welches diese immer und immer wieder ihren drei Enkelinnen erzählte. Als Gemma Jahre später stirbt, findet sich in ihren Hinterlassenschaften eine geheimnisvolle Schatulle. Die enthaltenen Zeitungsartikel, Fotos und Dokumente werfen ein neues Licht auf die alte Dame und es wird deutlich, dass ihre eigene Familie fast nichts von ihr wusste. Nicht einmal ihren richtigen Namen. Becca, die inzwischen als Journalisten bei der örtlichen Zeitung arbeitet, macht sich auf die Suche nach der jungen Gemma. Nach der Frau, die während des Zweiten Weltkriegs in die USA floh. Bald weiß sie, dass das Märchen von Dornröschen eine wahren Kern besitzt. Einen schwarzen Kern, der im Holocaust geboren wurde und der sie nach Polen führen wird.  Weiterlesen?

[Blogparade] Eure Geheimtipps

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Bei der lieben rina.p habe ich die sehr berechtigte 😉 Blogparade „Eure Geheimtipps“ von Aleshanee Weltenwanderer entdeckt. Heute möchte endlich meinen Beitrag dazu leisten. Weiterlesen?

[Rezension] Lothar Orbach: Soaring Underground

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Larry Orbach berichtet über die dunkelste Zeit seines Lebens, die des Nationalsozialismus. Er beschreibt den täglich stärker werdende Antisemitismus, wie seine Brüder in die USA emigrieren können, sein Vater aber an „seinem Vaterland“ festhält bis er selbst von dessen Vertretern ermordet wird. Er ist noch ein Teenager als er und seine Mutter abgeholt werden sollen. Doch sie schaffen es, zu fliehen und in den Berliner Untergrund zu gehen. Fortan schlägt Lothar sich als Gerhard Peters durch, baut auf Freunde, findet Verbündete und tut Dinge, die er früher niemals für möglich gehalten hätte. Doch sein Überlebenswille lässt ihn all das ertragen, meistern und hin und wieder sogar Freude empfinden. Weiterlesen?

[Rezension] Die unsägliche Komik des Schreckens

Das Lachen

Der erfolgreiche Komiker Ernst Hoffmann lebt und arbeitet in Amsterdam. Als die Deutschen das Land besetzen, muss er sich verstecken, da seine Mutter Jüdin war. Schließlich wird er doch bei einer Razzia festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Im Zug lernt er Helena kennen und verliebt sich trotz der widrigen Umstände in sie. Doch schon auf der Reise beginnt er zu ahnen, dass ihm und den Mitreisenden eine schwere Zeit bevorsteht. In Auschwitz begegnet er dem Unfassbaren. Die Häftlinge werden allem beraubt, sogar ihres Lebens. Doch seinen Humor kann dem Komiker niemand nehmen und er hilft ihm, ein kleines Licht der Hoffnung für sich und andere zu entzünden.

„Ein Kapo und ein Blockältester rauchten eine Zigarette am offenen Fenster und unterhielten sich über die Unverzichtbarkeit von strengen Regeln im Lager. „Alle Juden sind von Grund auf schlecht und verdorben“, sagte der Kapo barsch. „Dasselbe gilt für sämtliche Eskimos“, sagte ich von meiner Pritsche aus. Er sah mich überrascht an. „Wieso denn Eskimos?“ „Wieso Juden?““ (S. 134).

Das Lachen und der Tod ist ein großartiges Werk über das Wesen der Menschen an einem unmenschlichen Ort. Auschwitz wirkt wie aus der Zeit und Welt gefallen und selbst vor Gott scheint es sich verborgen zu haben. Aber die Verbrechen fanden nicht heimlich statt. Jeder Häftling wusste bald, was seinen Angehörigen geschehen war und welche Dinge ihm drohten. Das Grauen war real. Pieter Webeling hat sich nicht nur der schwierigen Aufgabe gestellt, diese Monstrosität in Worte zu kleiden. Darüber hinaus hat er einen Komiker zu seiner Hauptfigur gemacht. Und Ernst Hoffmann ist ein ganz besonderer Protagonist. Er stellt sich der unfassbaren Unmenschlichkeit und dem Zynismus der SS-Leute mit den einzigen Waffen entgegen, die ihm zur Verfügung stehen. Sein Humor und sein Feinfühligkeit helfen ihm, zu überleben, seine Menschlichkeit zu bewahren und seine Mitgefangenen für wenige Augenblicke von ihrer hoffnungslosen Lage abzulenken.

Es ist schlicht beeindruckend, dass Pieter Webeling solch einen authentisch wirkenden Roman verfassen konnte, ohne die Schrecken selbst erlebt zu haben. Er hat mit Zeitzeugen gesprochen und Literatur zu Rate gezogen. Und schließlich hat er Fiktion und Realität überaus gekonnt und sensibel verwoben und verdichtet. Die Geschichte und ihre Figuren sind in all ihren Bestandteilen glaubwürdig, tiefgründig und ihr Kern ist derart wahrhaftig, dass es den Leser nur in Erstaunen versetzen kann. Der Autor meistert die schwierige Herausforderung, Humor und Auschwitz in einen Zusammenhang zu stellen. Auf wenigen Seiten lässt er den Lageralltag mit all seinen großen Scheußlichkeiten und winzigen Menschlichkeiten aufleben. Die Geschichte entwickelt einen derart starken Sog, dass es schwerfällt, nicht Seite um Seite bis zum Ende zu lesen.

Die Sprache beschreibt in kurzen Sätzen Gegebenheiten, Situationen, Menschen, Gefühle so präzise, dass es sprachlos macht. Die Worte werden zu Nadeln, die ins Bewusstsein des Lesers stechen. Sie werden bis zum Anschlag versenkt. Die Brutalität und Grausamkeit des Lagers werden injiziert und produzieren Fassungslosigkeit und Traurigkeit, die sich ausbreiten und noch lange wirken.

Das Lachen und der Tod ist ein absolut empfehlenswerter Roman. Trotz der fast unüberschaubaren Fülle an Literatur zum komplexen Themenfeld des Holocaust, stellt er einen wichtigen, er-/kenntnisreichen, empfindsamen und unglaublich berührenden Beitrag dar. Ein Meisterwerk!

5/5 Schreibmaschinen

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Pieter Webeling, Das Lachen und der Tod, Karl Blessing Verlag 2015.

[Rezension] Lizzie Doron: Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?

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Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen? wird Helena von denjenigen gefragt, die nicht von „dort“ stammen. Nicht nur darin drückt sich ein gewisses Unverständnis gegenüber Helena aus. Denn diese hat ihre eigenen Methoden, um mit der schmerzvollen Vergangenheit und der neuen Heimat umzugehen. Als Einzige ihrer Familie hat sie den Holocaust überlebt und ist nach dem Krieg nach Israel gekommen wo sie nun, in den sechziger Jahren, allein mit ihrer Tochter Elisabeth lebt. Auch diese versucht, aus dem eigenwilligen Verhalten ihrer Mutter schlau zu werden. Da nie über die Erlebnisse in Polen gesprochen wird und Helena keine Erklärungen zu ihrem Verhalten abgibt, bleibt immer eine Distanz zwischen Mutter und Tochter. Manchmal wird Elisabeth offensichtlich von Helena angelogen, aber wenn sie nachfragt, erhält sie nur oberflächliche oder in ihren Augen unsinnige Antworten. Deshalb nimmt sie vieles hin, ohne es weiter zu hinterfragen. Und oft ist ihr die Mutter einfach peinlich. Weiterlesen?