Schlagwort-Archive: Krimi

[Rezension] M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter

A Raisin

Agatha Raisin hat ihre erfolgreiche PR-Agentur in London verkauft, um mit 53 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Schon lange wünscht sie sich, ein Häuschen in den Cotswolds zu besitzen und nun hat sie diesen Traum wahrgemacht. Im beschaulichen Dörfchen Carsley bezieht Agatha ein hübsches Cottage und beginnt ziemlich schnell, sich zu langweilen. Die Dorfbewohner sind höflich, aber distanziert und der Neuankömmling hat nichts zu tun, um sich abzulenken. Als ein Backwettbewerb über die beste Quiche ausgerufen wird, meldet sie sich an. Vielleicht wird sie als Siegerin die gebührende Anerkennung des Dorfes finden? Da Agatha in keiner Weise kochen oder backen kann, setzt sie Preisrichter Cummings-Browne einfach eine gekaufte Spinatquiche vor. Da sollte doch mit dem Sieg eigentlich nichts mehr schiefgehen dürfen. Stattdessen gewinnt allerdings die Frau, die seit Jahren den Hauptpreis abräumt. Als sei das nicht schon genug, wird der Preisrichter am nächsten Tag tot aufgefunden. Vergiftet mit Agathas Quiche! Ihr ist schnell klar, es kann sich nur um Mord handeln und wenn sie die Anerkennung des Dorfes schon nicht durch ihre nicht vorhandenen Backkünste gewinnen kann, dann eben wenigstens mit der Aufklärung des Mordes.

Agatha Raisin und der tote Richter ist der erste Band in M.C. Beatons Reihe um die Amateurdetektivin in den Cotswold. Obwohl die Reihe schon in den Neunzigerjahren in Großbritannien gestartet ist, wird sie in Deutschland erst seit wenigen Jahren verlegt. Abgesehen davon, dass moderne Technik wie Handys oder Internet nicht vorkommt, wirkt der erste Roman überhaupt nicht angestaubt.

Der Schwerpunkt liegt auf Agathas Figur und ihrem neuen Leben in den Cotswolds. Allerdings dürfte sie nicht auf alle Leser gleichermaßen sympathisch wirken.  Vermutlich kann man sie entweder nicht ausstehen oder mag sie rundweg. Agatha ist eine Frau, die vielleicht nicht immer weiß, was sie tut. Umso besser weiß sie dafür, was sie will und wie es erreicht werden kann. Als erfolgreiche PR-Beraterin geht sie dabei allerdings selten feinfühlig vor und trifft bei der Dorfgemeinschaft häufig auf Unverständnis. Hinzukommt, dass sie es einfach nicht gewohnt ist, „nichts zu tun“. Von der hektischen Großstadt ins beschauliche Dorfleben zu wechseln, bringt also einige Veränderungen und Schwierigkeiten mit sich. Wie Agatha mit diesen umgeht und den Mordfall um einen Preisrichter löst, sind die beiden Handlungsstränge des Romans. Dieser umfasst knapp 250 Seiten und ist in lockerem Stil verfasst.

Der Kriminalfall ist allerdings genauso wenig raffiniert konstruiert wie die Ermittlungen seitens Agathas oder der Polizei. Für einen überzeugten Krimifan, der sich völlig auf das Verbrechen und seine Aufklärung konzentrieren möchte, ist M.C. Beatons-Reihe also kaum die richtige Wahl. Wer allerdings anheimelnde, teilweise komische Geschichten, kauzige Figuren und britisches Flair mit einem Schuss Krimi in der Tradition von Agatha Christie mag, sollte von ihr bestens unterhalten werden.

Agatha Raisin und der tote Richter ist amüsant und sehr kurzweilig, wenn der Mordfall auch gerne etwas ausgeklügelter hätte ausfallen dürfen. Trotzdem bietet M.C. Beaton (übrigens ein Pseudonym) abwechslungsreiche Lektüre für Zwischendurch.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

M.C. Beaton, Agatha Raisin und der tote Richter, Bastei Lübbe 2013.

 

 

Advertisements

[Rezension] Daniel Stashower: Sherlock Holmes und der Fall Houdini

1779317._UY200_

Daniel Stashower präsentiert uns mit Sherlock Holmes und der Fall Houdini ein lange unbekanntes Manuskript von Dr. Watson, dem Gefährten und Chronisten des großen Sherlock Holmes, höchstselbst verfasst. Dies fand er bei Aufräumarbeiten in einem altehrwürdigen Geschäft für Zauberei-Artikel und obwohl seine Freunde an der Echtheit zweifeln, möchte er es der Welt nicht vorenthalten…. Weiterlesen?

[Filmkritik] The Nice Guys

NiceGuys

Los Angeles, 1977

Pornostar Misty Mountain stirbt in einem Autounfall. Der etwas abgehalfterte Privatdetektive Holland March wird von ihrer Tante engagiert, da sie Misty nach dem Unfall noch gesehen haben will. Dabei gerät er auf die Spur der jungen Amelia. Die wiederum engagiert den nicht minder abgehalfterten Privatdetektiv Jackson Healy, weil sie sich verfolgt fühlt. Daraufhin findet Healy March und schlägt ihn zusammen, damit er sich von Amelia fernhält. Doch als diese verschwindet, raufen sich die unterschiedlichen Männer zusammen, um den Fall zu lösen. Ein Duo Katastrophale ist geboren. Weiterlesen?

[Rezension] Alan Bradley: Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet

Flavia1

Eines Morgens liegt ein Toter im Gurkenbeet von Buckshaw, dem Stammsitz der de Luces. Jetzt, in den fünfziger Jahren, lebt dort der Hausherr mit seinen drei Töchtern Ophelia, Daphne und der Jüngsten, Flavia. Und eben der haucht der sterbende Fremde sein letztes Wort entgegen. Doch Flavia de Luce ist kein ängstliches Mädchen, das der Polizei die Arbeit überlassen würde. Stattdessen ist sie aufgeweckt, neugierig, ein bisschen vorlaut und ausgesprochen interessiert an chemischen Vorgängen und ungelösten Rätseln. Es wäre doch gelacht, wenn sie nicht selbst den Mörder dingfest machen könnte. Weiterlesen?

[Rezension] Wort für Wort

EGeorge

Es gibt wohl zwei Typen von Schriftstellern. Diejenigen, die drauflos schreiben und sich von ihrer eigenen Kreation überraschen lassen. Und die anderen, die Geschichte, Plot und Figuren akribisch planen und dann erst mit dem Schreiben beginnen. Während Stephen King zur ersten Gruppe gezählt werden kann, vertritt Elizabeth George die zweite. Weiterlesen?

[Rezension] Todeswirbel

BuchWunder

Die Cloades haben ein Problem. Achwas, eins. Eigentlich sind es mehrere. Der reiche Gordon Cloade, der seine Verwandten immer mehr als großzügig unterstützt hat, hat das Zeitliche gesegnet. Und er hat kurz vor diesem Ereignis die bedeutend jüngere Rosaleen geehelicht. Nun ist sie Alleinerbin und seine Familie schaut in die Röhre und dumm aus der Wäsche.

Doch was wäre, wenn Rosaleens erster Ehemann gar nicht tot, sondern quicklebendig wäre? Dann wäre nicht nur ihre Ehe mit Gordon unrechtmäßig, sondern auch ihre Erbschaft. Und plötzlich taucht ein Fremder im Ort auf und deutet genau das an. Es ist keine Überraschung, dass er wenig später erschlagen aufgefunden wird. Aber welcher der zahlreichen Verdächtigen ist dafür verantwortlich? Hercules Poirot wird es ergründen. Weiterlesen?