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18 Reasons why…ich gegen die Widerspruchslösung bin

Am Donnerstag soll im Bundestag über ein mögliches neues Organspendegesetz debattiert werden. Organspende ist für viele überlebenswichtig und es ist selbstlos und bewundernswert, wenn Menschen sich entscheiden, ihre Organe zu spenden. Ich bin natürlich pro Organspende. Nichtsdestotrotz bin ich gegen eine generelle Organspende mit Widerspruchsregelung, wie Gesundheitsminister Spahn sie vorschlägt.

Dagegen sprechen für mich folgende (nicht nach Prioritäten geordnete) Aspekte:

  1. Der Körper eines Menschen gehört ihm allein! Nur er darf darüber verfügen und darüber bestimmen. Niemand sonst!
  2. Es ist eine extrem erschreckende und beklemmende Vorstellung, dass ein Staat eine so fundamentale Verfügungsgewalt über bzw. Anspruch auf seine BürgerInnen haben soll. Die individuelle Widerspruchsregelung ändert daran nichts, weil der allgemeine Anspruch auf die Bevölkerung ja dennoch bestehen würde. Ich empfinde das als unrechtmäßig, nicht freiheitlich, ja sogar diktatorisch. Sollte es ein entsprechendes Gesetz geben, würde mich das von diesem Land und seinem Staat entfremden. Von dieser Demokratie, die ich immer unterstützt habe.
  3. In Artikel 2 unseres Grundgesetzes heißt es: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“ Dieses Recht gilt über den Tod hinaus und darf auf keiner Ebene und in keiner Weise angezweifelt oder missachtet werden. Tote können sich nicht mehr wehren und sind sie besonders schützenswert. Eine allgemeine Organspendepflicht wäre also verfassungswidrig.
  4. Frauen kämpfen um ihre Selbstbestimmung mit Slogans wie „Mein Bauch gehört mir.“ Das wäre alles obsolet, wenn der Staat einen so allumfassenden Anspruch auf seine Bevölkerung erheben würde.
  5. Die Entscheidung zur Organspende ist so weitreichend, dass sie aktiv getroffen werden muss und nicht lediglich durch Unterlassung eines Widerspruchs erfolgen darf.
  6. Freiheit ist nicht, einen Widerspruch formulieren zu dürfen, sondern sich für etwas zu entscheiden.
  7. Knapp 10.000 Menschen warten auf ein Organ. Das ist viel, aber man darf deshalb nicht knapp 80 Millionen in Haftung nehmen, sondern muss durch Informationen mehr Organspender rekrutieren.
  8. Es kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass jemand, der keinen Widerspruch erhoben hat, dennoch im Fall der Fälle der Organspende zugestimmt hätte. Vielleicht würde er den Einspruch noch fünf Minuten vor seinem Tod erheben, wenn es möglich wäre.
  9. Vielfach wird unterstellt, die Menschen seien zu bequem, sich einen Organspendeausweis zuzulegen. Vermutlich vertraut das neue Gesetz ebenfalls auf diese „Faulheit“, so dass es Menschen zu aufwendig ist, Widerspruch einzulegen oder sie es schlicht vergessen. Sich auf diesem Weg eine so folgenreiche Zustimmung zu erschleichen, ist nicht rechtmäßig.
  10. Es wird beklagt, dass Organspende-Kampagnen zu wenig Menschen bewegen, einen Ausweis auszufüllen. Daraus sollte jedoch kein Argument für das neue Gesetz abgeleitet werden. Stattdessen sollten neue Wege beschritten werden, um Menschen von der Notwendigkeit von Spenden zu überzeugen. Mit Zwang zu arbeiten, weil Argumente nicht fruchten, kann keine Lösung sein.
  11. Angeblich besteht eine große Zustimmung in der Bevölkerung zu diesem Gesetzesentwurf. Es kann allerdings bezweifelt werden, dass diese Menschen alle über einen Organspendeausweis verfügen. Wäre das so, wäre sicher schon viel gewonnen.
  12. Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, könnte zudem bei Behördengängen z.B. anlässlich der Verlängerung des Personalausweises oder Reisepass über Organspende informiert werden und gefragt werden, ob jemand Organspender sein möchte und diese Information hinterlegt werden.
  13. Viele Menschen besitzen einen Organspendeausweis. Wenn der Ernstfall eintritt, ist dieser jedoch nicht auffindbar. Die Angehörigen sind vielleicht ebenfalls nicht informiert. So werden mögliche Spender nicht erkannt. Statt einer allgemeinen Pflicht könnten die Organspender zentral gespeichert werden, so dass die Kliniken sich einfach online informieren können.
  14. Organspende ist kostspielig. Kliniken und Spezialisten verdienen damit nicht unerheblich Geld. Der betroffene Mensch soll seine Organe jedoch kostenlos zur Verfügung stellen. Zusätzlich würde ihm durch das neue Gesetz noch das Recht, selbst darüber zu entscheiden, aberkannt werden.
  15. Es wird argumentiert, dass viele europäische Länder bereits über entsprechende Gesetze verfügen. Zum einen heißt nicht, dass die Mehrheit immer recht hat. Zum anderen wird außer Acht gelassen, dass Deutschlands Geschichte uns eine Sonderrolle auferlegt. Dem muss Rechnung getragen werden. In jener Zeit wurde das Wohl des „Volkes“ über das des Individuums gestellt. Menschen verfolgt, weil sie angeblich der „Volksgemeinschaft“ schadeten.
  16. Wer das für Humbug hält, sei auf die Wahlerfolge der AfD verwiesen. Es könnte sein, dass sich die Regierungsverhältnisse irgendwann zu Gunsten dieser Partei wie wandeln. Dann wäre ihnen mit der neuen Gesetzgebung möglich, Menschen, die Widerspruch erhoben haben, unter Druck zu setzen, zu bestrafen oder zu verfolgen. Das mag übertrieben klingen, aber leider ist diese Gefahr in Zeiten von „Todeslisten“ etc. nicht völlig unrealistisch.
  17. Es sind schon Forderungen laut geworden, dass Menschen, die sich nach dem Gesetz dann gegen eine Organspende entscheiden werden, im Bedarfsfall keine Spende erhalten sollen. Dies deutet nicht nur auf eine mögliche Entwicklung wie oben genannt hin, sondern würde Artikel 3 des Grundgesetzes verletzen: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“.
  18. Wie sollen Menschen, die nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind, ihren Widerspruch formulieren? Wie kann man sich anmaßen, den Willen von Personen zu kennen, die sich nicht äußern können? Da man es nicht kann, darf man ihnen keine Entscheidung aufoktroyieren.

Die Kommentarfunktion wird für diesen Artikeln nicht freigeschaltet, weil die oben genannten Punkte das Ergebnis meiner Überlegungen sind und somit meine ganz persönliche Meinung widerspiegeln. Es sollen lediglich Denkanstösse sein.

Media Monday #405: Yeah, April!

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Willkommen im schönsten Monat des Jahresverlaufs, behaupte ich mal ganz vermessen, aber ich darf das, da es sich um meinen Geburtsmonat handelt und ich ihn liiiieeebe (bitte hier in Gedanken mit der Stimme immer etwas höher gehen, bitte :D. Danke)! Alles grünt und blüht, die Sonne strahlt dazu (wenns gut läuft)  und ich habe das Gefühl, jedem Anfang wohne ein Zauber inne. Oder so ähnlich. Doch bevor wir uns in den Niederungen der Dichtkunst verstricken, stricke ich Euch jetzt den neuen Media Monday. Wow, was für eine Überleitung 😀 ! Weiterlesen?

[Rezension] Neal Shusterman: Vollendet – Die Rache

VollendetRahmen

Für die Freunde Connor, Lev und Risa hat sich wieder einmal alles verändert.
Lev hat Connor vom Flugzeugfriedhof gerettet und gemeinsam folgen sie einer wagen Spur, um der Prozedur der Vollendung endgültig das Garaus zu machen. Risa ist auf der Flucht, hat sie sich doch gegen die mächtige Vereinigung gestellt, die einerseits die Vollendung von aufsässigen Teenagern propagiert und andererseits Cam erschaffen hat. Cam, der erste Mensch, der vollständig aus Körperteilen anderer Jugendlicher geschaffen wurde. Aber ist er ein Mensch? Oder ist er nur eine „Sache“, die dem Proaktiven Bürgerforum gehört? Er weiß es nicht. Aber er fühlt, dass er menschlich ist, wenn er mit Risa zusammen ist. Deshalb muss er sie finden und um sie für sich zu gewinnen, muss er seine Schöpfer zerstören.
Und Starkey? Als auf dem Flugzeugfriedhof das Inferno ausbrach, konnte er sich und seine Schützlinge ebenfalls retten. Und genau wie Connor und Lev hat auch er den Ernte-Camps den Kampf angesagt. Allerdings will er sein ganz eigenes Inferno entfesseln. Weiterlesen?

[Rezension] Neal Shusterman: Vollendet

VollendetRahmen

Connor, Risa und Zev leben in einem Amerika der Zukunft, in dem Abtreibung verboten ist. Stattdessen dürfen die Eltern ihre ungeratenen Töchter und Söhne im Alter zwischen Dreizehn und Achtzehn umwandeln lassen. „Umwandeln“ heißt allerdings nichts anderes als eine Körperspende. Sie werden „auseinandergenommen“ und ihre Organe etc. anderen Menschen transplantiert. Und dazu entschließen sich auch Connors Eltern. Doch statt sich einfach ins Ernte-Camp bringen zu lassen, flüchtet er. Dabei läuft nicht alles glatt und plötzlich befindet er sich in einer Notgemeinschaft mit Risa und Lev, zwei anderen „Wandlern“. Weiterlesen?