Schlagwort-Archive: Rezension

[Rezension] Ursula von Kardorff: Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942-1945

Kardorff

Ursula von Kardorff berichtet in ihren Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942 bis 1945 von ihrem Leben während der letzten Kriegsjahre. Ihr Alltag im Nationalsozialismus, die Bombenangriffe, Verluste von Angehörigen und Freunden, ihre Gefühlswelt, die zwischen Ängsten und Lebenslust schwankt, werden anschaulich in Worte gefasst. Die Tochter des Malers Konrad von Kardorff schrieb in jener Zeit für das Feuilleton der Deutsche Allgemeine Zeitung, ihrem teilweise adeligen Freundes- und Bekanntenkreis gehörten auch einige der Offiziere an, die am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt waren. Demzufolge nehmen auch das Attentat und die folgenden Verhaftungen einen großen Raum in Kardorffs Notizen ein. Weiterlesen?

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[Rezension] M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter

A Raisin

Agatha Raisin hat ihre erfolgreiche PR-Agentur in London verkauft, um mit 53 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Schon lange wünscht sie sich, ein Häuschen in den Cotswolds zu besitzen und nun hat sie diesen Traum wahrgemacht. Im beschaulichen Dörfchen Carsley bezieht Agatha ein hübsches Cottage und beginnt ziemlich schnell, sich zu langweilen. Die Dorfbewohner sind höflich, aber distanziert und der Neuankömmling hat nichts zu tun, um sich abzulenken. Als ein Backwettbewerb über die beste Quiche ausgerufen wird, meldet sie sich an. Vielleicht wird sie als Siegerin die gebührende Anerkennung des Dorfes finden? Da Agatha in keiner Weise kochen oder backen kann, setzt sie Preisrichter Cummings-Browne einfach eine gekaufte Spinatquiche vor. Da sollte doch mit dem Sieg eigentlich nichts mehr schiefgehen dürfen. Stattdessen gewinnt allerdings die Frau, die seit Jahren den Hauptpreis abräumt. Als sei das nicht schon genug, wird der Preisrichter am nächsten Tag tot aufgefunden. Vergiftet mit Agathas Quiche! Ihr ist schnell klar, es kann sich nur um Mord handeln und wenn sie die Anerkennung des Dorfes schon nicht durch ihre nicht vorhandenen Backkünste gewinnen kann, dann eben wenigstens mit der Aufklärung des Mordes.

Agatha Raisin und der tote Richter ist der erste Band in M.C. Beatons Reihe um die Amateurdetektivin in den Cotswold. Obwohl die Reihe schon in den Neunzigerjahren in Großbritannien gestartet ist, wird sie in Deutschland erst seit wenigen Jahren verlegt. Abgesehen davon, dass moderne Technik wie Handys oder Internet nicht vorkommt, wirkt der erste Roman überhaupt nicht angestaubt.

Der Schwerpunkt liegt auf Agathas Figur und ihrem neuen Leben in den Cotswolds. Allerdings dürfte sie nicht auf alle Leser gleichermaßen sympathisch wirken.  Vermutlich kann man sie entweder nicht ausstehen oder mag sie rundweg. Agatha ist eine Frau, die vielleicht nicht immer weiß, was sie tut. Umso besser weiß sie dafür, was sie will und wie es erreicht werden kann. Als erfolgreiche PR-Beraterin geht sie dabei allerdings selten feinfühlig vor und trifft bei der Dorfgemeinschaft häufig auf Unverständnis. Hinzukommt, dass sie es einfach nicht gewohnt ist, „nichts zu tun“. Von der hektischen Großstadt ins beschauliche Dorfleben zu wechseln, bringt also einige Veränderungen und Schwierigkeiten mit sich. Wie Agatha mit diesen umgeht und den Mordfall um einen Preisrichter löst, sind die beiden Handlungsstränge des Romans. Dieser umfasst knapp 250 Seiten und ist in lockerem Stil verfasst.

Der Kriminalfall ist allerdings genauso wenig raffiniert konstruiert wie die Ermittlungen seitens Agathas oder der Polizei. Für einen überzeugten Krimifan, der sich völlig auf das Verbrechen und seine Aufklärung konzentrieren möchte, ist M.C. Beatons-Reihe also kaum die richtige Wahl. Wer allerdings anheimelnde, teilweise komische Geschichten, kauzige Figuren und britisches Flair mit einem Schuss Krimi in der Tradition von Agatha Christie mag, sollte von ihr bestens unterhalten werden.

Agatha Raisin und der tote Richter ist amüsant und sehr kurzweilig, wenn der Mordfall auch gerne etwas ausgeklügelter hätte ausfallen dürfen. Trotzdem bietet M.C. Beaton (übrigens ein Pseudonym) abwechslungsreiche Lektüre für Zwischendurch.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

M.C. Beaton, Agatha Raisin und der tote Richter, Bastei Lübbe 2013.

 

 

[Rezension] Kate Morton: Die verlorenen Spuren

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Mit fünfzehn beobachtet Laurel wie ihre Mutter einen fremden Mann ersticht.
Mit über fünfzig stellt sie sich der Vergangenheit und will herausfinden, was Dorothy dazu getrieben hat. Es ist eine Geschichte von Liebe, Verrat und Angst, die sich langsam entfaltet und während der Bombenangriffe auf London ihren Anfang nahm.  Weiterlesen?

[Rezension] Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

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Tao arbeitet auf einer Obstplantage. Tagein tagaus klettert sie in den Bäumen herum und bestäubt die Blüten von Hand. Es ist eine sehr anstrengende Arbeit. Selten haben die Arbeiter einen freien Tag. Doch seit die Bienen verschwunden sind, existiert keine andere Möglichkeit, um Ernten einbringen zu können.

George besitzt mehrere Bienenvölker. Er hofft, dass sein Sohn Tom einmal den Betrieb übernehmen wird, doch der möchte Journalist werden. In die Sorge um seine Nachfolge mischt sich die Nachricht, dass eine Krankheit die Bienen bedroht. Tatsächlich bleiben seine Völker nicht verschont.

Ursprünglich hat William Biologie studiert und sein Professor setzte große Hoffnungen in ihn. Doch dann heiratete er und ein Kind nach dem anderen wurde geboren. William gab seinen Traum auf und verdiente den Unterhalt als Saatguthändler. Als sein Professor ihm das vor Augen führt, stürzt William in eine tiefe Depression. Erst die Beschäftigung mit den Bienen hilft ihm, sich daraus zu befreien und voller Zuversicht in die Zukunft zu sehen. Doch auch dieser Weg birgt Rückschläge. Weiterlesen?

[Rezension] Richard Marbel: Die Jesus-Welle

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Nachdem Michael seine große Liebe Marcia durch einen Unfall verlor, trauert er. Aus dem Physiker wurde ein Priester. Von der Universität wechselte er in ein kleines italienisches Dorf, wo er der Kirchengemeinde vorsteht und dem Alkohol zuspricht. Dreißig Jahre nach dem tragischen Ereignis sucht ein alter Freund Kontakt zu ihm. Der ehemalige Professor und jetzige Medienmogul Carl Steinberg möchte, dass Michael an einer außergewöhnlichen Expedition teilnimmt. Zusammen mit der rebellischen Lucy, dem Neuropsychologen Stuart und dem Sicherheitsfachmann Pierre soll er die Quantenwelt, auch als Jenseits bekannt, besuchen.
Weiterlesen?

[Rezension] Michael Bond: Paddingtons große Stunde

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Paddington, der Bär aus Peru mit der Vorliebe für Marmeladenbrote, erlebt wieder allerhand Abenteuer. Dazu gehören u.a. der Wettbewerb um den schönsten Garten, eine Geburtstagsparty für Mr. Gruber, die Teilnahme in einer Kochshow und der Besuch eines Varietés. Natürlich bringt der pelzige Hausgast der Browns sich dabei häufig selbst in die Bredouille. Weiterlesen?

[Rezension] Ariel S. Winter: Mr. Sapien träumt vom Menschsein

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Mr. Sapien ist ein Android, der noch von Menschen gebaut wurde. Er empfindet das als Auszeichnung und ist fasziniert von den Lebewesen. Seine Umwelt hält ihre ehemaligen Schöpfer jedoch für minderwertig. Auch können Roboter sich mittlerweile gegenseitig erschaffen und sind nicht mehr auf die wenigen Menschen, die es noch gibt, angewiesen.

Aufgrund seines Alters wird von ihm erwartet, sich selbst zu deaktivieren. Um darüber nachzudenken, zieht Mr. Sapien sich in ein abgelegenes Strandhaus an der englischen Küste zurück. Das gehört zum Anwesen Barron Cove, das die Familie Asimov von dem ehemaligen menschlichen Besitzer geerbt hat. Unvermittelt wird der Mieter in die Zwistigkeiten der Familie involviert, die sich alle um den mysteriösen Bewohner Beachstone zu drehen scheinen. Könnte der Grund hierfür sein, dass der ein Mensch ist?

Ariel S. Winters erschafft mit wenigen, treffenden Worten eine lebendige und überzeugende Welt. Technische Details werden verständlich dargestellt und stören den Lesefluss in keinster Weise. Vielmehr findet sich der rasch zurecht und kann sich auf die Handlung konzentrieren.
Die Perspektivwechsel vollziehen geschmeidig. Nichtsdestotrotz muss man sich nach jedem Wechsel erst orientieren, weil er durch das Layout nicht angedeutet wird. Die unterschiedlichen Erzählstimmen entsprechen der jeweiligen Persönlichkeit der Figur. Deren Intentionen und Gefühle werden überzeugend dargelegt. Wenig überraschend sind auch bei Andrioden nicht nur sympathische Individuen zu finden. Stattdessen sind aber Vertreter aller „Denkrichtungen“ vertreten. Roboter, die Menschen verachten. Solche, die sie bewundern und von ihnen lernen wollen. Und es gibt die, die einen Menschen lieben. Der Mensch Beachstone, um den sich alles dreht, lernt der Leser hingegen nur durch den Blick anderer kennen. Dabei wäre es gerade in seinem Fall sehr interessant gewesen, zu erfahren, wie er sich als einziger Mensch unter Robotern fühlt. Warum sucht er offensichtlich nicht die Nähe zu anderen Menschen? Was hat ihn überhaupt nach Barron Cove verschlagen? Leider entsteht auch hier das Gefühl, dass der Autor die wirklich spannenden Fragen oft umschifft.

Der Roman umfasst nur wenige Seiten und konzentriert sich auf einen begrenzten Zeitrahmen und überschaubares Personal. Dadurch fällt es dem Autor vielleicht leichter, seine Geschichte zu spinnen. Für Leser ist es hingegen mehr als schade, dass die spannende Zukunftsvision nicht stärker ausgelotet wird. Es gibt so viele Punkte, an die der Autor hätte anknüpfen können und über die der Leser gerne mehr erfahren hätte.

Einerseits gibt es viele spannende und unterhaltsame Momente, die auf einen höheren Sinn verweisen. Andererseits meandert die Handlung vor sich hin und löst die Hoffnung auf eine abschließende Offenbarung oder Wendung nicht ein. Zwar gibt Mr. Sapien schließlich noch etwas Überraschendes über seine Vergangenheit preis, doch das geschieht auf so unspektakuläre Weise, dass der Effekt verpufft.
Leider werden außerdem einige Seiten mit Handlung gefüllt, die sich letztlich als irreal herausstellt. Das verwirrt und irritiert, da auch hier die Absicht dahinter unklar bleibt. Wenig raffiniert ist ebenfalls, dass Mr. Sapien Informationen auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert werden. Es wäre weitaus spannender, wenn er sie sich selbst schrittweise erarbeiten müsste.

Obwohl es sich bei den Figuren fast ausschließlich um Androiden handelt und dadurch technische Abläufe nicht unerwähnt bleiben, fühlt man sich an eine degenerierte Adelssippe erinnert. Emotionale Achterbahnfahrten, schwierige Beziehungen und Familiengeheimnisse lassen vermuten, dass Maschinen letztlich auch nur Menschen sind.

Stets bleibt die Frage, was der Autor seinen Lesern sagen möchte. Vermutlich will er sie zu philosophischen Überlegungen anregen, aber leider reizt er seine Möglichkeiten nicht genug aus, um das Ziel zu erreichen. Ja, es geht auch darum, was einen Menschen ausmacht. Welche Rolle der Tod spielt. Aber diese Überlegungen liegen wie im Nebel und erreichen den Leser kaum. Immer mutet es an, als wären irgendwo tiefgründige Wahrheiten verborgen. Doch sind sie dann wohl  so gut verborgen (oder nicht vorhanden?), dass sie sich nur schwer  erschließen.

Mr. Sapien träumt vom Menschsein ist kurzweilig und regt dazu an, ebenfalls über die Natur der Menschen nachzudenken. Leider schöpft Ariel S. Winter das Potenzial seiner Ideen nicht so aus wie sie es verdient hätten.

3/5 Schreibmaschinen

3Writer

Ariel S. Winter, Mr. Sapien träumt vom Menschsein, Doemer Knaur 2016.

Vielen Dank an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.