Schlagwort-Archive: Science-Fiction

Radio-Tipp #2

Nachdem ich Euch vor ein paar Monaten auf das WDR5-Hörspiel zum Sci-Fi-Bestseller Die drei Sonnen von Cixin Liu aufmerksam gemacht habe, möchte ich Euch  die Fortsetzung natürlich nicht vorenthalten.

Ab dem 1. Oktober startet die vierteilige Hörspielserie zum Nachfolgeroman Der dunkle Wald. Kurz darauf könnt Ihr außerdem alle Teile für eine begrenzte Zeit auf der Homepage von WDR5 anhören oder herunterladen. Mich konnte Die drei Sonnen leider nicht überzeugen, so dass ich vom 2. Band Abstand nahm, aber insgesamt kam Cixin Lius Geschichte wohl extrem gut an. Leider ist es nicht mehr möglich, das 1. Hörspiel zu hören, aber wenn ihr den Roman kennt, dürfte es kein Problem sein, mit der Fortsetzung zu starten.

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[Rezension] Ariel S. Winter: Mr. Sapien träumt vom Menschsein

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Mr. Sapien ist ein Android, der noch von Menschen gebaut wurde. Er empfindet das als Auszeichnung und ist fasziniert von den Lebewesen. Seine Umwelt hält ihre ehemaligen Schöpfer jedoch für minderwertig. Auch können Roboter sich mittlerweile gegenseitig erschaffen und sind nicht mehr auf die wenigen Menschen, die es noch gibt, angewiesen.

Aufgrund seines Alters wird von ihm erwartet, sich selbst zu deaktivieren. Um darüber nachzudenken, zieht Mr. Sapien sich in ein abgelegenes Strandhaus an der englischen Küste zurück. Das gehört zum Anwesen Barron Cove, das die Familie Asimov von dem ehemaligen menschlichen Besitzer geerbt hat. Unvermittelt wird der Mieter in die Zwistigkeiten der Familie involviert, die sich alle um den mysteriösen Bewohner Beachstone zu drehen scheinen. Könnte der Grund hierfür sein, dass der ein Mensch ist?

Ariel S. Winters erschafft mit wenigen, treffenden Worten eine lebendige und überzeugende Welt. Technische Details werden verständlich dargestellt und stören den Lesefluss in keinster Weise. Vielmehr findet sich der rasch zurecht und kann sich auf die Handlung konzentrieren.
Die Perspektivwechsel vollziehen geschmeidig. Nichtsdestotrotz muss man sich nach jedem Wechsel erst orientieren, weil er durch das Layout nicht angedeutet wird. Die unterschiedlichen Erzählstimmen entsprechen der jeweiligen Persönlichkeit der Figur. Deren Intentionen und Gefühle werden überzeugend dargelegt. Wenig überraschend sind auch bei Andrioden nicht nur sympathische Individuen zu finden. Stattdessen sind aber Vertreter aller „Denkrichtungen“ vertreten. Roboter, die Menschen verachten. Solche, die sie bewundern und von ihnen lernen wollen. Und es gibt die, die einen Menschen lieben. Der Mensch Beachstone, um den sich alles dreht, lernt der Leser hingegen nur durch den Blick anderer kennen. Dabei wäre es gerade in seinem Fall sehr interessant gewesen, zu erfahren, wie er sich als einziger Mensch unter Robotern fühlt. Warum sucht er offensichtlich nicht die Nähe zu anderen Menschen? Was hat ihn überhaupt nach Barron Cove verschlagen? Leider entsteht auch hier das Gefühl, dass der Autor die wirklich spannenden Fragen oft umschifft.

Der Roman umfasst nur wenige Seiten und konzentriert sich auf einen begrenzten Zeitrahmen und überschaubares Personal. Dadurch fällt es dem Autor vielleicht leichter, seine Geschichte zu spinnen. Für Leser ist es hingegen mehr als schade, dass die spannende Zukunftsvision nicht stärker ausgelotet wird. Es gibt so viele Punkte, an die der Autor hätte anknüpfen können und über die der Leser gerne mehr erfahren hätte.

Einerseits gibt es viele spannende und unterhaltsame Momente, die auf einen höheren Sinn verweisen. Andererseits meandert die Handlung vor sich hin und löst die Hoffnung auf eine abschließende Offenbarung oder Wendung nicht ein. Zwar gibt Mr. Sapien schließlich noch etwas Überraschendes über seine Vergangenheit preis, doch das geschieht auf so unspektakuläre Weise, dass der Effekt verpufft.
Leider werden außerdem einige Seiten mit Handlung gefüllt, die sich letztlich als irreal herausstellt. Das verwirrt und irritiert, da auch hier die Absicht dahinter unklar bleibt. Wenig raffiniert ist ebenfalls, dass Mr. Sapien Informationen auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert werden. Es wäre weitaus spannender, wenn er sie sich selbst schrittweise erarbeiten müsste.

Obwohl es sich bei den Figuren fast ausschließlich um Androiden handelt und dadurch technische Abläufe nicht unerwähnt bleiben, fühlt man sich an eine degenerierte Adelssippe erinnert. Emotionale Achterbahnfahrten, schwierige Beziehungen und Familiengeheimnisse lassen vermuten, dass Maschinen letztlich auch nur Menschen sind.

Stets bleibt die Frage, was der Autor seinen Lesern sagen möchte. Vermutlich will er sie zu philosophischen Überlegungen anregen, aber leider reizt er seine Möglichkeiten nicht genug aus, um das Ziel zu erreichen. Ja, es geht auch darum, was einen Menschen ausmacht. Welche Rolle der Tod spielt. Aber diese Überlegungen liegen wie im Nebel und erreichen den Leser kaum. Immer mutet es an, als wären irgendwo tiefgründige Wahrheiten verborgen. Doch sind sie dann wohl  so gut verborgen (oder nicht vorhanden?), dass sie sich nur schwer  erschließen.

Mr. Sapien träumt vom Menschsein ist kurzweilig und regt dazu an, ebenfalls über die Natur der Menschen nachzudenken. Leider schöpft Ariel S. Winter das Potenzial seiner Ideen nicht so aus wie sie es verdient hätten.

3/5 Schreibmaschinen

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Ariel S. Winter, Mr. Sapien träumt vom Menschsein, Doemer Knaur 2016.

Vielen Dank an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 

[Filmkritik] Blade Runner 2049

BladeRunner

K ist ein Blade Runner. Diese Spezialeinheit der Polizei macht alte, als gefährlich eingestufte Androiden ausfindig und versetzt sie in den sogenannten Ruhestand. Das bedeutet schlichtweg, dass die „Replikanten“ umgebracht werden. Bei einem Routineauftrag entdeckt K etwas Unglaubliches. So unglaublich, dass es die ohnehin fragile Gesellschaftsordnung atomisieren könnte. Der Blade Runner gerät zwischen die Fronten widerstreitender Seiten.

Falls man den ursprünglichen Film von 1982 noch nicht kennt, sollte man das ändern, bevor man sich dem Nachfolger widmet. Zwar ist es möglich der Handlung auch sonst zu folgen, doch mit Vorwissen wird der Filmgenuss ungemein erhöht. Zum einen ist man als Zuschauer schon vertraut mit der gezeigten Welt. Man kehrt in eine bekannte Umgebung zurück, deren Grundlagen man kennt. Zum anderen baut Blade Runner 2049 inhaltlich nicht nur auf seinem Vorgänger auf. Er verwebt dessen Geschichte und führt sie fort. Querverweise und Bezüge lassen sich erkennen, was zu einem tieferen Verständnis führt.

Es kann sein, dass mancher die Prämisse der Geschichte nicht plausibel findet. Weiterlesen?

[Rezension] Jeff VanderMeer: Auslöschung

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Eine Biologin nimmt an der elften Expedition in die geheimnisvolle Area X teil. Es handelt sich um ein Gebiet, dass von einer Flora und Fauna besiedelt ist, die es sonst nirgends gibt. Auf dem ein Leuchtturm und ein unterirdischer Tunnel Kampfspuren und tödliche Geheimnisse bergen. Dessen Dörfer längst verlassen sind. Aus dem die Teilnehmer der früheren Expeditionen entweder gar nicht oder absolut verändert zurückgekehrt sind. Die Biologin führen nicht nur fachliche Gründe dorthin.

Auslöschung ist der Bericht, den sie während ihres Aufenthalts in Area X verfasst hat.

Die Southern Reach Trilogie hat Preise und viel Lob erhalten. Manch einer soll die Geschichte sogar als Meisterwerk wahrnehmen. Diese Einschätzungen kann man (aus welchen Gründen auch immer) teilen, muss man aber nicht.  Weiterlesen?

[Rezension] Kai Meyer: Phantasmen

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Überall auf der Welt erscheinen nach und nach die Geister von Toten. Sie leuchten, stehen einfach da und drehen sich im Lauf der Sonne um die eigene Achse.
Rain und ihre Schwester erwarten in der spanischen Wüste die Geister ihrer Eltern, die dort bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. Sie wollen sich verabschieden, die Trauer abschließen. Ein junger Amerikaner ist ebenfalls da. Vermutlich hat auch er jemanden an Bord verloren. Als sich die Geister zeigen, legt sich plötzlich ein Grinsen auf ihr Gesicht. Ein tödliches.  Weiterlesen?

[Filmkritik] Moon

 

Moon

Irgendwann in der Zukunft wird der Energiebedarf der Erde hauptsächlich durch Helium 3 bestritten. Dieses wird auf dem Mond abgebaut, überwacht von einer einzigen Person und der künstlichen Intelligenz Gerty (gesprochen von Kevin Spacey). Bald steht Sam Bells Ablösung bevor und er wird nach drei Jahren wieder auf die Erde zu seiner Familie zurückkehren. Das ist auch dringend nötig, da ihm der fehlende menschliche Bezug zusetzt und er unter Halluzinationen leidet. Eines Tages hat er aufgrund einer solchen Sinnestäuschung einen Unfall außerhalb der Station. Wenig später wacht er ohne Erinnerungen daran in der Station auf und belauscht ein Gespräch zwischen Gerty und den Firmenverantwortlichen. Misstrauisch geworden, begibt er sich zurück auf die Mondoberfläche, wo er in einem Fahrzeug einen Doppelgänger findet. Weiterlesen?

[Rezension] Daniel H. Wilson: Das Implantat

Das Implantat

Die USA der nahen Zukunft

Seit ein paar Jahren sind neurale Implantate, welche die intellektuellen Fähigkeiten der Träger steigern, Gang und Gebe. Doch mittlerweile hat sich eine starke Gegenbewegung entwickelt, die fürchtet, dass Menschen ohne die sogenannten Amps ins Hintertreffen geraten könnten. Nun haben sie einen großen Sieg errungen, denn ein Gerichtsbeschluss hat schlimme Folgen für alle Implantatträger.

Owen ist Lehrer an einer High-School. Ihm wurde ebenfalls ein kleines Gerät eingesetzt, doch da es lediglich seine Epilepsie beeinflusst, identifiziert er sich nicht mit den Amp-Trägern. Bis vor seinen Augen eine seiner Schülerinnen in den Tod springt. Plötzlich muss er sich fragen, auf welcher Seite er steht und für welche er alles riskieren will. Weiterlesen?