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[Rezension] Ursula von Kardorff: Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942-1945

Kardorff

Ursula von Kardorff berichtet in ihren Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942 bis 1945 von ihrem Leben während der letzten Kriegsjahre. Ihr Alltag im Nationalsozialismus, die Bombenangriffe, Verluste von Angehörigen und Freunden, ihre Gefühlswelt, die zwischen Ängsten und Lebenslust schwankt, werden anschaulich in Worte gefasst. Die Tochter des Malers Konrad von Kardorff schrieb in jener Zeit für das Feuilleton der Deutsche Allgemeine Zeitung, ihrem teilweise adeligen Freundes- und Bekanntenkreis gehörten auch einige der Offiziere an, die am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt waren. Demzufolge nehmen auch das Attentat und die folgenden Verhaftungen einen großen Raum in Kardorffs Notizen ein. Weiterlesen?

[Rezension] Adel verpflichtet

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Schauspiellegende Sir Alec Guinness willigt ein, achtzehn Monate lang Tagebuch zu führen und es dann veröffentlichen zu lassen. Von Neujahr 1995 bis Juni 1996 hält er seine täglichen Aufgaben, Erlebnisse, die Meinung zur Weltlage und andere Kuriositäten des Lebens fest. Mit feinem Gespür und einer üppigen Prise Humor beschreibt er seine Umwelt, Situationen und Mitmenschen. Manch treffende Beschreibung führt den Leser vom Schmunzeln bis zu kleinen Aha-Erlebnissen. Und es ist interessant, wenn er seine zwischenmenschlichen Verbindungen zu Branchengrößen wie Peter Sellers, David Lean, Peter Ustinov, Vincent Price beschreibt und sie so ein wenig vom Sockel hebt. Besonders witzig mutet seine stete Abneigung gegen das Autogrammschreiben oder das Halten von Reden an. Im ersten Fall machen ihm besonders die Star-Wars-Fans zu schaffen, die Berge von Autogrammbitten auf seinem Schreibtisch erschaffen.

„Adel verpflichtet“ ist ein Kleinod für Zwischendurch. Auf leider nur wenigen Seiten entfaltet sich Guinness‘ Persönlichkeit. Sein Schreibstil ist amüsant, interessant, macht nachdenklich, eröffnet Perspektiven und ist manchmal einfach kontemplativ. In jedem Fall ist das Tagebuch nicht nur für Filmfans empfehlenswert. Darüber hinaus macht es außerdem sehr neugierig auf A. Guinness‘ Memoiren „Das Glück hinter der Maske“ (eine sehr schlechte Übersetzung des Originaltitels „Blessings in Disguise“).

4 von 5 Schreibmaschinen

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Alec Guinness, Adel verpflichtet, Henschel Verlag 1998.