Schlagwort-Archive: Zukunftsvision

[Rezension] Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

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Tao arbeitet auf einer Obstplantage. Tagein tagaus klettert sie in den Bäumen herum und bestäubt die Blüten von Hand. Es ist eine sehr anstrengende Arbeit. Selten haben die Arbeiter einen freien Tag. Doch seit die Bienen verschwunden sind, existiert keine andere Möglichkeit, um Ernten einbringen zu können.

George besitzt mehrere Bienenvölker. Er hofft, dass sein Sohn Tom einmal den Betrieb übernehmen wird, doch der möchte Journalist werden. In die Sorge um seine Nachfolge mischt sich die Nachricht, dass eine Krankheit die Bienen bedroht. Tatsächlich bleiben seine Völker nicht verschont.

Ursprünglich hat William Biologie studiert und sein Professor setzte große Hoffnungen in ihn. Doch dann heiratete er und ein Kind nach dem anderen wurde geboren. William gab seinen Traum auf und verdiente den Unterhalt als Saatguthändler. Als sein Professor ihm das vor Augen führt, stürzt William in eine tiefe Depression. Erst die Beschäftigung mit den Bienen hilft ihm, sich daraus zu befreien und voller Zuversicht in die Zukunft zu sehen. Doch auch dieser Weg birgt Rückschläge. Weiterlesen?

[Rezension] Margaret Atwood: Der Report der Magd

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Gilead ist ein totalitärer und christlich-fundamentalistischer Staat, der nach einem Putsch und dem Zusammenbruch der Regierung, auf dem Gebiet der USA errichtet wurde. Mit dem Sturz der USA fiel auch die Gesellschaftsordnung. Die neue basiert vor allem auf der Entrechtung der Frauen. Sie dürfen kein eigenständiges Leben führen, verfügen über kein eigenes Geld, dürfen nicht lesen und müssen bestimmte Kleidung tragen, die ihre Funktion und Bedeutung innerhalb der Gesellschaft zeigen. Ihr Wert wird in erster Linie über ihre Fruchtbarkeit definiert, denn nach einer Reihe von Umweltkatastrophen ist die zum kostbarsten Gut für Gilead geworden. Sogenannte Mägde müssen hochrangigen Funktionären und ihren Frauen als Leihmütter dienen. Eine von ihnen ist Desfred, die dem Commanders und seiner Frau Serena Joy zugeteilt wurde. Desfred ist nicht ihr richtiger Name, denn eine Magd wird nach dem Mann benannt, dem sie dient. Ein Mal im Monat versucht der sie im Rahmen einer vorgegebenen Zeremonie zu schwängern. Ansonsten darf sie nicht viel mehr tun, als Einkäufe zu erledigen. Doch sie tut mehr. Sie erzählt uns ihre Geschichte. Weiterlesen?

[Rezension] Ariel S. Winter: Mr. Sapien träumt vom Menschsein

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Mr. Sapien ist ein Android, der noch von Menschen gebaut wurde. Er empfindet das als Auszeichnung und ist fasziniert von den Lebewesen. Seine Umwelt hält ihre ehemaligen Schöpfer jedoch für minderwertig. Auch können Roboter sich mittlerweile gegenseitig erschaffen und sind nicht mehr auf die wenigen Menschen, die es noch gibt, angewiesen.

Aufgrund seines Alters wird von ihm erwartet, sich selbst zu deaktivieren. Um darüber nachzudenken, zieht Mr. Sapien sich in ein abgelegenes Strandhaus an der englischen Küste zurück. Das gehört zum Anwesen Barron Cove, das die Familie Asimov von dem ehemaligen menschlichen Besitzer geerbt hat. Unvermittelt wird der Mieter in die Zwistigkeiten der Familie involviert, die sich alle um den mysteriösen Bewohner Beachstone zu drehen scheinen. Könnte der Grund hierfür sein, dass der ein Mensch ist?

Ariel S. Winters erschafft mit wenigen, treffenden Worten eine lebendige und überzeugende Welt. Technische Details werden verständlich dargestellt und stören den Lesefluss in keinster Weise. Vielmehr findet sich der rasch zurecht und kann sich auf die Handlung konzentrieren.
Die Perspektivwechsel vollziehen geschmeidig. Nichtsdestotrotz muss man sich nach jedem Wechsel erst orientieren, weil er durch das Layout nicht angedeutet wird. Die unterschiedlichen Erzählstimmen entsprechen der jeweiligen Persönlichkeit der Figur. Deren Intentionen und Gefühle werden überzeugend dargelegt. Wenig überraschend sind auch bei Andrioden nicht nur sympathische Individuen zu finden. Stattdessen sind aber Vertreter aller „Denkrichtungen“ vertreten. Roboter, die Menschen verachten. Solche, die sie bewundern und von ihnen lernen wollen. Und es gibt die, die einen Menschen lieben. Der Mensch Beachstone, um den sich alles dreht, lernt der Leser hingegen nur durch den Blick anderer kennen. Dabei wäre es gerade in seinem Fall sehr interessant gewesen, zu erfahren, wie er sich als einziger Mensch unter Robotern fühlt. Warum sucht er offensichtlich nicht die Nähe zu anderen Menschen? Was hat ihn überhaupt nach Barron Cove verschlagen? Leider entsteht auch hier das Gefühl, dass der Autor die wirklich spannenden Fragen oft umschifft.

Der Roman umfasst nur wenige Seiten und konzentriert sich auf einen begrenzten Zeitrahmen und überschaubares Personal. Dadurch fällt es dem Autor vielleicht leichter, seine Geschichte zu spinnen. Für Leser ist es hingegen mehr als schade, dass die spannende Zukunftsvision nicht stärker ausgelotet wird. Es gibt so viele Punkte, an die der Autor hätte anknüpfen können und über die der Leser gerne mehr erfahren hätte.

Einerseits gibt es viele spannende und unterhaltsame Momente, die auf einen höheren Sinn verweisen. Andererseits meandert die Handlung vor sich hin und löst die Hoffnung auf eine abschließende Offenbarung oder Wendung nicht ein. Zwar gibt Mr. Sapien schließlich noch etwas Überraschendes über seine Vergangenheit preis, doch das geschieht auf so unspektakuläre Weise, dass der Effekt verpufft.
Leider werden außerdem einige Seiten mit Handlung gefüllt, die sich letztlich als irreal herausstellt. Das verwirrt und irritiert, da auch hier die Absicht dahinter unklar bleibt. Wenig raffiniert ist ebenfalls, dass Mr. Sapien Informationen auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert werden. Es wäre weitaus spannender, wenn er sie sich selbst schrittweise erarbeiten müsste.

Obwohl es sich bei den Figuren fast ausschließlich um Androiden handelt und dadurch technische Abläufe nicht unerwähnt bleiben, fühlt man sich an eine degenerierte Adelssippe erinnert. Emotionale Achterbahnfahrten, schwierige Beziehungen und Familiengeheimnisse lassen vermuten, dass Maschinen letztlich auch nur Menschen sind.

Stets bleibt die Frage, was der Autor seinen Lesern sagen möchte. Vermutlich will er sie zu philosophischen Überlegungen anregen, aber leider reizt er seine Möglichkeiten nicht genug aus, um das Ziel zu erreichen. Ja, es geht auch darum, was einen Menschen ausmacht. Welche Rolle der Tod spielt. Aber diese Überlegungen liegen wie im Nebel und erreichen den Leser kaum. Immer mutet es an, als wären irgendwo tiefgründige Wahrheiten verborgen. Doch sind sie dann wohl  so gut verborgen (oder nicht vorhanden?), dass sie sich nur schwer  erschließen.

Mr. Sapien träumt vom Menschsein ist kurzweilig und regt dazu an, ebenfalls über die Natur der Menschen nachzudenken. Leider schöpft Ariel S. Winter das Potenzial seiner Ideen nicht so aus wie sie es verdient hätten.

3/5 Schreibmaschinen

3Writer

Ariel S. Winter, Mr. Sapien träumt vom Menschsein, Doemer Knaur 2016.

Vielen Dank an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 

[Filmkritik] Equals – Euch gehört die Zukunft (2015)

 

Equals Poster

Irgendwann in der Zukunft:

Die Überlebenden eines globalen Atomkriegs konnten eine neue Gesellschaft aufbauen. Da sie in den Emotionen der Menschen die Ursache für Krieg und Gewalt sehen, haben Wissenschaftler eine Methode entwickelt, diese schon vor der Geburt auszuschalten. Allerdings werden manche Menschen irgendwann vom S(witch)-O(n)-Syndrom ergriffen, das die Gefühle zurückbringt. Erste Symptome können noch behandelt werden. Im Endstadium der Krankheit begehen die Betroffenen jedoch entweder Selbstmord oder verschwinden auf Nimmerwiedersehen in einer Spezialklinik.

Silas (Nicholas Hoult) trägt die gleiche Kleidung wie alle anderen. Er lebt in einem Appartement, das den Wohnungen seiner Nachbarn ähnelt. Seine Zeit ist wie die aller streng geregelt. Jeder Tag entspricht dem vorhergehenden und dem nachfolgenden. Die Eintönigkeit stört niemanden, da niemand etwas fühlt. Doch eines Tages spürt Silas doch etwas. Er ist zutiefst verwirrt und verängstigt. Niemand möchte das SO-Syndrom haben, denn es macht einen zum Aussätzigen. Der Arzt verschreibt Silas Medikamente, die jedoch nicht helfen. Der junge Mann versucht trotzdem ein normales Leben zu führen. Geht zur Arbeit. Aber immer häufiger kann er seinen Blick nicht von seiner Arbeitskollegin Nia (Kristen Stewart) abwenden. Warum ist er nur so fasziniert von ihr? Sie gibt ihm deutlich zu verstehen, dass sie keine Gefühle für ihn hegt. Doch dann entdeckt er Anzeichen, dass auch sie vom SOS-Syndrom betroffen sein könnte. Weiterlesen?

[Rezension] Daniel H. Wilson: Das Implantat

Das Implantat

Die USA der nahen Zukunft

Seit ein paar Jahren sind neurale Implantate, welche die intellektuellen Fähigkeiten der Träger steigern, Gang und Gebe. Doch mittlerweile hat sich eine starke Gegenbewegung entwickelt, die fürchtet, dass Menschen ohne die sogenannten Amps ins Hintertreffen geraten könnten. Nun haben sie einen großen Sieg errungen, denn ein Gerichtsbeschluss hat schlimme Folgen für alle Implantatträger.

Owen ist Lehrer an einer High-School. Ihm wurde ebenfalls ein kleines Gerät eingesetzt, doch da es lediglich seine Epilepsie beeinflusst, identifiziert er sich nicht mit den Amp-Trägern. Bis vor seinen Augen eine seiner Schülerinnen in den Tod springt. Plötzlich muss er sich fragen, auf welcher Seite er steht und für welche er alles riskieren will. Weiterlesen?

[Hörbuch-Rezension] Margaret Atwood: Oryx und Crake

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Die Welt wurde von einer Katastrophe heimgesucht.
Die Bewohner der neuen Welt sind Hybridwesen aus Mensch und Tier, die nichts über die Vergangenheit wissen.
Allein Schneemann, der vermutlich letzte Mensch, kann sich erinnern.
Schneemann hieß einmal Jimmy. Sein Vater war für eine Firma tätig, die Genexperimente vornahm.
Schönheit und Jugend waren Sinn und Zweck. Auch Jimmys Freund Crake betätigte sich auf diesem Forschungsfeld. Doch er strebte nach weitaus mehr. Er wollte Unsterblichkeit erschaffen. Stattdessen erschuf er die neue Welt. Weiterlesen?

[Rezension] Fractured

Fractured

Kyla gewinnt zunehmend ihre Erinnerungen zurück. Noch sind nicht alle klar und deutlich, doch fügen sich die Teile langsam zusammen. Und die führen sie zwischen die Fronten der Lorder und derer, die sich gegen die staatliche Macht stellen. Wem kann sie trauen? Wer ist ihr wohlgesonnen? Und wie soll sie sich selbst positionieren? Kyla wird lernen, dass sie längst Teil der Pläne anderer ist. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, muss sie darüber hinaus noch sich selbst finden.Wer war sie und wer will sie zukünftig sein? Weiterlesen?

[Rezension] Kirsty Logan: The Gracekeepers

TheGracekeeper

Die Oberfläche der Erde ist bis auf einige Inseln von Wasser bedeckt. Dementsprechend teilt sich die Bevölkerung in Landbewohner und in jene, die ihr Leben auf See verbringen.

Das Zirkusschiff Excalibur reist von Insel zu Insel, abends wird der Zirkus aufgebaut und die Vorstellung beginnt. Clowns und Pferde, Akrobaten und Tänzer unterhalten das Publikum, doch die Attraktion bildet das Mädchen North mit ihrem Bären. Denn diese wilden, anscheinend unzähmbaren Tiere sind sehr selten geworden und faszinieren das Publikum daher umso mehr.

Überzeugt, sich schuldig gemacht zu haben, hat die junge Callanish sich entschieden, ein gracekeeper zu werden. Als solcher besteht ihre Aufgabe darin, Seebestattungen durchzuführen. Doch das zurückgezogene Leben hilft ihr auch, zu verbergen, dass sie mit besonderen Merkmalen geboren wurde.

Ein Sturm führt Callanish und North zusammen und beide spüren, das es ein Neubeginn sein könnte. Doch ganz so einfach wird er nicht zu erreichen sein. Weiterlesen?

[Rezension] Pierce Brown: Red Rising

RedRising

Tief unter der Marsoberfläche leben Darrow, seine Familie und alle anderen, die zu den Roten zählen. Dort schuften sie tagtäglich unter härtesten Bedingungen in den Mienen. Ihre Arbeit soll die Umwandlung des unwirtlichen Planeten in Lebensraum ermöglichen. Dann wird der Mars besiedelt werden und die Roten endlich ein besseres Leben führen dürfen. Doch durch schreckliche Ereignisse muss Darrow erkennen. dass der Mars längst bewohnt wird. Das die Goldenen prunkvolle Städte regieren und ihr Wohlstand auf der Ausbeutung der Roten beruht. Doch es gibt Menschen, die sich dagegen auflehnen und die ihm helfen, zu einem Goldenen zu werden. Sie schicken ihn in die Kaderschmiede der Unterdrücker, wo er das System von innen bekämpfen soll.

In seinem Nachwort dankt Pierce Brown seinen Lesern und verspricht: „Sie werden diese drecksverdammten Bücher einfach lieben.“ Einerseits hat der Autor absolut Grund dazu, seinen Lesern zu danken, denn sie müssen über viel Durchhaltevermögen verfügen. Andererseits hält er sein Versprechen definitiv nicht ein. Sein Werk langweilt nicht nur inhaltlich bevor dessen Mitte erreicht ist, sondern stößt den Leser auch noch vor den Kopf. Im Übrigen deutet das Wörtchen „drecksverdammt“ die Richtung an, in die der Autor mit seinem Sprachstil marschiert. Weiterlesen?

[Rezension] Das Skorpionenhaus

Matt lebt zusammen mit seiner Ziehmutter Celia isoliert in einem kleinen Haus zwischen Mohnfeldern. Tagsüber lässt sie ihn allein, um im Herrenhaus zu arbeiten und verbietet ihm, das Haus zu verlassen. Von weitem sieht er den Arbeitern dabei zu wie sie die Mohnsamen ernten oder er schaut Fernsehen. Er weiß nicht, warum er nicht hinaus darf oder wo seine Eltern sind. Eines Tages wird das Häuschen entdeckt und Ereignisse in Gang gesetzt, die sein Leben vollkommen umkrempeln. Er wird auf die prunkvolle Ranch von El Patrón, dem Besitzer all der Mohnfelder, gebracht. Er ist das Oberhaupt der Familie Alacrán und der mächtigste Drogenbaron des Landes Opium. Außerdem ist er sehr alt und sehr gebrechlich. Und er hat ihn als seine Kopie erschaffen lassen. Das heißt, dass Matt ein Klon ist und schnell lernt er, wie sehr Klone verabscheut werden. Aber auch wie die Ranch und die Familie Alacrán funktionieren. Dass die Migits Menschen und Tiere sind, die durch Implantate zu willenlosen Maschinen gemacht werden. Und dass er nur wenigen trauen kann. Als El Patrón trotz aller Gegenmaßnahmen stirbt, ändert sich Matts Leben noch einmal auf dramatische Weise. Nicht nur seine Zukunft und die seiner Lieben hängt nun ganz allein von ihm ab. Weiterlesen?