Schlagwort-Archive: Zukunftsvision

[Rezension] Ariel S. Winter: Mr. Sapien träumt vom Menschsein

978-3-426-51932-5_Druck

Mr. Sapien ist ein Android, der noch von Menschen gebaut wurde. Er empfindet das als Auszeichnung und ist fasziniert von den Lebewesen. Seine Umwelt hält ihre ehemaligen Schöpfer jedoch für minderwertig. Auch können Roboter sich mittlerweile gegenseitig erschaffen und sind nicht mehr auf die wenigen Menschen, die es noch gibt, angewiesen.

Aufgrund seines Alters wird von ihm erwartet, sich selbst zu deaktivieren. Um darüber nachzudenken, zieht Mr. Sapien sich in ein abgelegenes Strandhaus an der englischen Küste zurück. Das gehört zum Anwesen Barron Cove, das die Familie Asimov von dem ehemaligen menschlichen Besitzer geerbt hat. Unvermittelt wird der Mieter in die Zwistigkeiten der Familie involviert, die sich alle um den mysteriösen Bewohner Beachstone zu drehen scheinen. Könnte der Grund hierfür sein, dass der ein Mensch ist?

Ariel S. Winters erschafft mit wenigen, treffenden Worten eine lebendige und überzeugende Welt. Technische Details werden verständlich dargestellt und stören den Lesefluss in keinster Weise. Vielmehr findet sich der rasch zurecht und kann sich auf die Handlung konzentrieren.
Die Perspektivwechsel vollziehen geschmeidig. Nichtsdestotrotz muss man sich nach jedem Wechsel erst orientieren, weil er durch das Layout nicht angedeutet wird. Die unterschiedlichen Erzählstimmen entsprechen der jeweiligen Persönlichkeit der Figur. Deren Intentionen und Gefühle werden überzeugend dargelegt. Wenig überraschend sind auch bei Andrioden nicht nur sympathische Individuen zu finden. Stattdessen sind aber Vertreter aller „Denkrichtungen“ vertreten. Roboter, die Menschen verachten. Solche, die sie bewundern und von ihnen lernen wollen. Und es gibt die, die einen Menschen lieben. Der Mensch Beachstone, um den sich alles dreht, lernt der Leser hingegen nur durch den Blick anderer kennen. Dabei wäre es gerade in seinem Fall sehr interessant gewesen, zu erfahren, wie er sich als einziger Mensch unter Robotern fühlt. Warum sucht er offensichtlich nicht die Nähe zu anderen Menschen? Was hat ihn überhaupt nach Barron Cove verschlagen? Leider entsteht auch hier das Gefühl, dass der Autor die wirklich spannenden Fragen oft umschifft.

Der Roman umfasst nur wenige Seiten und konzentriert sich auf einen begrenzten Zeitrahmen und überschaubares Personal. Dadurch fällt es dem Autor vielleicht leichter, seine Geschichte zu spinnen. Für Leser ist es hingegen mehr als schade, dass die spannende Zukunftsvision nicht stärker ausgelotet wird. Es gibt so viele Punkte, an die der Autor hätte anknüpfen können und über die der Leser gerne mehr erfahren hätte.

Einerseits gibt es viele spannende und unterhaltsame Momente, die auf einen höheren Sinn verweisen. Andererseits meandert die Handlung vor sich hin und löst die Hoffnung auf eine abschließende Offenbarung oder Wendung nicht ein. Zwar gibt Mr. Sapien schließlich noch etwas Überraschendes über seine Vergangenheit preis, doch das geschieht auf so unspektakuläre Weise, dass der Effekt verpufft.
Leider werden außerdem einige Seiten mit Handlung gefüllt, die sich letztlich als irreal herausstellt. Das verwirrt und irritiert, da auch hier die Absicht dahinter unklar bleibt. Wenig raffiniert ist ebenfalls, dass Mr. Sapien Informationen auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert werden. Es wäre weitaus spannender, wenn er sie sich selbst schrittweise erarbeiten müsste.

Obwohl es sich bei den Figuren fast ausschließlich um Androiden handelt und dadurch technische Abläufe nicht unerwähnt bleiben, fühlt man sich an eine degenerierte Adelssippe erinnert. Emotionale Achterbahnfahrten, schwierige Beziehungen und Familiengeheimnisse lassen vermuten, dass Maschinen letztlich auch nur Menschen sind.

Stets bleibt die Frage, was der Autor seinen Lesern sagen möchte. Vermutlich will er sie zu philosophischen Überlegungen anregen, aber leider reizt er seine Möglichkeiten nicht genug aus, um das Ziel zu erreichen. Ja, es geht auch darum, was einen Menschen ausmacht. Welche Rolle der Tod spielt. Aber diese Überlegungen liegen wie im Nebel und erreichen den Leser kaum. Immer mutet es an, als wären irgendwo tiefgründige Wahrheiten verborgen. Doch sind sie dann wohl  so gut verborgen (oder nicht vorhanden?), dass sie sich nur schwer  erschließen.

Mr. Sapien träumt vom Menschsein ist kurzweilig und regt dazu an, ebenfalls über die Natur der Menschen nachzudenken. Leider schöpft Ariel S. Winter das Potenzial seiner Ideen nicht so aus wie sie es verdient hätten.

3/5 Schreibmaschinen

3Writer

Ariel S. Winter, Mr. Sapien träumt vom Menschsein, Doemer Knaur 2016.

Vielen Dank an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 

Advertisements

[Filmkritik] Equals – Euch gehört die Zukunft (2015)

 

Equals Poster

Irgendwann in der Zukunft:

Die Überlebenden eines globalen Atomkriegs konnten eine neue Gesellschaft aufbauen. Da sie in den Emotionen der Menschen die Ursache für Krieg und Gewalt sehen, haben Wissenschaftler eine Methode entwickelt, sie schon vor der Geburt auszuschalten. Allerdings werden manche Menschen vom S(witch)-O(n)-Syndrom erwischt, das die Gefühle zurückbringen. Die ersten Symptome können behandelt werden. Im Endstadium der Krankheit begehen die Betroffenen entweder Selbstmord oder verschwinden auf Nimmerwiedersehen in einer Spezialklinik.

Silas (Nicholas Hoult) trägt die gleiche Kleidung wie alle anderen. Er lebt in einem Appartement, das den Wohnungen seiner Nachbarn ähnelt. Seine Zeit ist wie die aller streng geregelt. Jeder Tag entspricht dem vorhergehenden und dem nachfolgenden. Die Eintönigkeit stört niemanden, da sie nichts fühlen. Doch eines Tages spürt Silas etwas. Er ist zutiefst verwirrt und verängstigt. Der Arzt verschreibt ihm Medikamente, die jedoch nicht helfen. Silas versucht, ein normales Leben zu führen. Geht weiter zur Arbeit. Immer häufiger kann er seinen Blick nicht von Nia (Kristen Stewart), einer Arbeitskollegin, abwenden. Warum ist er so fasziniert von ihr? Und dann entdeckt er Anzeichen, dass auch sie vom SOS-Syndrom betroffen sein könnte. Weiterlesen?

[Rezension] Das Implantat

Das Implantat

Die USA der nahen Zukunft

Seit ein paar Jahren sind neurale Implantate, welche die intellektuellen Fähigkeiten der Träger steigern, Gang und Gebe. Doch mittlerweile hat sich eine starke Gegenbewegung entwickelt, die fürchtet, dass Menschen ohne die sogenannten Amps ins Hintertreffen geraten könnten. Nun haben sie einen großen Sieg errungen, denn ein Gerichtsbeschluss hat schlimme Folgen für alle Implantatträger.

Owen ist Lehrer an einer High-School. Ihm wurde ebenfalls ein kleines Gerät eingesetzt, doch da es lediglich seine Epilepsie beeinflusst, identifiziert er sich nicht mit den Amp-Trägern. Bis vor seinen Augen eine seiner Schülerinnen in den Tod springt. Plötzlich muss er sich fragen, auf welcher Seite er steht und für welche er alles riskieren will. Weiterlesen?

[Hörbuch-Rezension] Oryx und Crake

CDBox_OryxUndCrake-300x300

Die Welt wurde von einer Katastrophe heimgesucht.
Die Bewohner der neuen Welt sind Hybridwesen aus Mensch und Tier, die nichts über die Vergangenheit wissen.
Allein Schneemann, der vermutlich letzte Mensch, kann sich erinnern.
Schneemann hieß einmal Jimmy. Sein Vater war für eine Firma tätig, die Genexperimente vornahm.
Schönheit und Jugend waren Sinn und Zweck. Auch Jimmys Freund Crake betätigte sich auf diesem Forschungsfeld. Doch er strebte nach weitaus mehr. Er wollte Unsterblichkeit erschaffen. Stattdessen erschuf er die neue Welt. Weiterlesen?

Trailer-Tipp #2

Nachdem der Trailer von The Greatest Showman mich zu Youtube geführt hatte, wurden natürlich gleich weitere Trailer zukünftiger Filme durchforstet. Dabei fiel mir der zu What happened to Monday? auf.

Ich lese sehr gerne Dystopien und finde sie auch in Filmen sehr interessant. Leider sind nicht alle gelungen, doch genannter Film mit Noomi Rapace, Glenn Close (kaum wiederzuerkennen) und Willem Dafoe wirkt recht vielversprechend. Was meint Ihr?

What happened to Monday? soll sogar schon am 7. September 2017 in Deutschland starten.

 

[Rezension] Fractured

Fractured

Kyla gewinnt zunehmend ihre Erinnerungen zurück. Noch sind nicht alle klar und deutlich, doch fügen sich die Teile langsam zusammen. Und die führen sie zwischen die Fronten der Lorder und derer, die sich gegen die staatliche Macht stellen. Wem kann sie trauen? Wer ist ihr wohlgesonnen? Und wie soll sie sich selbst positionieren? Kyla wird lernen, dass sie längst Teil der Pläne anderer ist. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, muss sie darüber hinaus noch sich selbst finden.Wer war sie und wer will sie zukünftig sein? Weiterlesen?

[Rezension] Gelöscht

Gelöscht

Kylas Erinnerungen wurden ausgelöscht. Sie weiß den Grund nicht, aber da nur Verbrecher „geslatet“ werden, muss sie etwas Schlimmes getan haben. Nachdem sie im Krankenhaus so alltägliche Dinge wie Laufen, Sprechen, Schreiben wieder erlernt hat, wird sie von ihrer neuen Familie abgeholt. Mit neuen Eltern und einer Schwester startet die Sechszehnjährige in ein neues Leben. Doch immer wieder wird sie von Albträumen gequält. Sie wirken so real und echt. Doch wo kommen die Bilder her, wenn sie sich doch an nichts mehr erinnern kann? Immer wieder trifft sie auf Fragen und Ungereimtheiten, die sie alles hinterfragen lassen. Vor allen Dingen, warum verschwinden Menschen, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen? Weiterlesen