[Filmkritik] Eddie, The Eagle

EddieTheEagle

Genre: Komödie

Besetzung: Taron Egerton, Hugh Jackman, Iris Berben, Jo Hartley, Mark Benton, Tim   McInnernly etc.

Produktionsland: GB, USA, Deutschland

Jahr: 2016

Laufzeit: 106 Minuten

Michael Edwards, genannt Eddie muss als Kind „wegen weicher Knie“ ein Jahr im Krankenhaus verbringen und Beinschienen tragen. Außerdem trägt er eine dicke Brille. Alles denkbar schlechte Voraussetzungen für einen angehenden Sportler. Als der Arzt rät, zu Lesen statt Sport zu machen, bekommt Eddie sein erstes Buch geschenkt. Es handelt von den Olympischen Spielen und für ihn ist ein neuer Traum geboren. Er will unbedingt Olympionike werden.

Einige Jahre läuft Eddie so gut Ski, dass er ins britische Nationalteam aufgenommen werden könnte. Die Verantwortlichen halten ihn jedoch aus unbestimmten Gründen nicht für geeignet. Zuerst ist Eddie deprimiert und will den Sport an den Nagel hängen. Schon lange drängelt sein Vater, er solle ebenfalls Verputzer werden. Doch ein Geistesblitz verhindert das vorerst. Er könnte doch Skispringer werden. Denn als Einziger seiner Art müsste er nicht um den Einzug ins britische Olympiateam kämpfen. Alles, was er tun muss, ist zu springen. Also fährt er nach Garmisch-Partenkirchen, um zu trainieren und den dazugehörigen Trainer zu finden. Tatsächlich trifft er auf einen ehemaligen Skispringer, der perfekt für die Aufgabe geeignet wäre. Doch leider ist der nicht nur ziemlich versoffen, sondern hält Eddies Pläne für absoluten Quatsch. Ein zukünftiger „Eddie, The Eagle“ gibt jedoch auch in diesem Fall nicht so schnell auf.

Es dauert einen Moment bis der Film Fahrt aufnimmt. Anfangs hetzt er mehr oder weniger durch Eddies Vergangenheit. Zwar erinnert sich unser Held später noch einmal an seine Kindheit und es folgen kurze Rückblenden, doch es bleibt der Eindruck, dass mehr möglich gewesen wäre. Es hätte ein noch stärkerer Kontrast zwischen den frühen Rückschlägen und seinem Triumph geschaffen werden können. Andererseits wäre es interessant gewesen, noch mehr darüber zu erfahren, wie die Erfahrungen und die Krankheit seinen Charakter gebildet haben. Wie sie ihn zu diesem zielgerichteten Menschen gemacht haben, der sich einfach nicht unterkriegen lässt.

Wenige Szenen können in Funktion und Wirkung etwas redundant wirken. Dazu zählen das erste Zusammentreffen zwischen Eddie und der Gaststättenbetreiberin Petra sowie die „Bo Derek“-Szene. Doch Humor ist bekanntlich sehr individuell und somit haben auch diese Szenen ihre Berechtigung.

Spätestens wenn Eddie und sein Trainer zusammengefunden haben, funktioniert es wie auf der Skischanze. Der Aufstieg ist zwar etwas langwierig, aber die Abfahrt umso rasanter. Humor und Herz gehen von nun an eine Verbindung ein, die nicht nur überzeugt, sondern begeistert.

Eddie wird wunderbar von einem gut aufgelegten Taron Egerton verkörpert. Er fühlt sich in seine Rolle ein und liefert eine anrührende Leistung ab. Schließlich beweist er während des Abspanns sogar noch sein Gesangstalent. Hugh Jackman spielt routiniert den ehemaligen (fiktiven) Skispringer und Eddies Trainer Bronson Peary. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern sowie die gemeinsame Spielfreude transportiert sich umgehend. Ein großes Kompliment gebührt ebenfalls den Kostümen und der Ausstattung. Sie lassen die Achtziger bis ins Detail aufleben und sogar Eddies Brille ist identisch mit dem Original. Vielleicht ist es sogar das Original, wer weiß. In jedem Fall wird das richtige Maß gefunden, so dass das gesamte Bild weder übertrieben noch lächerlich wirkt. Der Soundtrack trägt ebenfalls zum Achtziger-Jahre-Gefühl bei und macht vor allem viel Spaß.

In erster Linie punktet der Film aber mit seiner Geschichte. Die Geschichte eines Underdogs, an den niemand außer seiner Mutter glaubt. Als sein Vater ihm an den Kopf wirft, dass die Welt sich nicht um ihn schert, kann Eddie nur fragen, ob es je anders gewesen wäre. Doch er gibt nicht auf und jede Ablehnung, jeder Gegenschlag scheint ihn noch mehr anzutreiben. Michael Edwards ist wirklich ein Held und hat gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, zu gewinnen. Viel wichtiger ist, seinen Träumen zu folgen und nie aufzugeben. Dabei darf es keine Rolle spielen, wer wie dazu steht oder etwas dagegen hat. Auch dies illustriert der Film ausgezeichnet, denn ständig werfen ihm Autoritäten oder andere Sportler Steine in den Weg. Und es stellt sich die Frage, warum diese Leute so dermaßen gegen ihn waren. Beruhigender Weise bringt das den Helden allerdings immer nur kurzfristig aus dem Konzept.

Mag der Film auch mit leichten Startschwierigkeiten zu kämpfen haben, so fällt das Ende umso mitreißender aus. Sobald Eddie bei den Olympischen Spielen in Calgary startet, rast die Achterbahn der Gefühle in höchstem Tempo voran. Das kann Nebenwirkungen wie Dauergrinsen oder auch Freudentränen beinhalten. Wahrscheinlich jedoch beides gleichzeitig. Schön auch, dass Originalausschnitte der Olympischen Spiele verwendet wurden. Besonders die kurze Passage der Abschlussfeier ist wunderbar und rührend.

Eddie, The Eagle ist ein überaus sehenswerter und unterhaltsamer Film. Er ist nicht in allen Details verbürgt, doch er übermittelt eine bedeutende Erkenntnis. Halte ungeachtet aller Widerstände an deinen Träumen fest.

8/10 Tickets

8Tickets

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2 Gedanken zu „[Filmkritik] Eddie, The Eagle

  1. fraggle99

    Ich habe den Film nicht gesehen, aber als ich erstmals davon hörte, stellte sich mir sofort eine Frage: Der 1,88 m große und breitschultrige Hugh Jackman – ein Kerl wie ein Baum – soll einen ehemaligen Skispringer darstellen? Das passt irgendwie nicht… Unabhängig davon, dass ich Hugh Jackman mag.

    Naja, so lange er in seinem nächsten Film nicht auch noch einen ehemaligen Jockey verkörpert, soll es mir egal sein. 😉

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
    1. Bette Davis left the Bookshop Autor

      Da hast du eindeutig recht. Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich würde Hugh wahrscheinlich selbst die Rolle eines Kleinwüchsigen abnehmen 🙂 . Auf den früheren Bildern seiner Karriere haben sie ihn wenigstens etwas dünner und kleiner geschummelt. Vielleicht hatte die Figur nach seiner Karriere noch einen Wachstumsschub ^^.

      Gefällt 1 Person

      Antwort

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