Archiv der Kategorie: Musikalisches

2. ESC-Halbfinale

ESC Israel 2019

Das erste Halbfinale versetzte mich zuerst in den Zustand eines wütenden Rumpelstilzchens samt Fluchens auf den schlechten Musikgeschmack vieler Europäer, dann in den von Verständnislosigkeit und schließlich in einen Zustand von Resignation, in dem ich nur noch hoffte, wenigstens die Niederlande mögen weiterkommen. Gerechnet habe ich damit allerdings auch schon nicht mehr…

Was soll ich nun über das 2. Halbfinale sagen? (Die Wahrheit natürlich, ist ja klar 😉 ).

Abgesehen davon, dass das erste Halbfinale eine Art wütende Schockstarre auslöste und ich dadurch am Donnerstag zugegebenermaßen nicht mehr ganz so leicht zu euphorisieren gewesen bin, hat der Nachfolger seine Chance nicht genutzt, es dennoch zu versuchen. Der Unterhaltungswert ließ gegenüber Dienstag wirklich sehr nach. Okay, Australien hat uns maßlos verwöhnt, aber es kam ja niemand auch nur annährend an dessen Darbietung heran. Stattdessen ausgeslutschte Ideen, wohin man nur sah.

Die Geschichte, wie dem Riesen der Stuhl entwendet worden ist, der für Dänemark zum Einsatz kam, ist mit Sicherheit spannender als die Darbietung der Sängerin, die darauf Platz genommen hat. Keine Frage, ich mag das simple Liedchen mit froher Botschaft, aber es muss locker, fröhlich, ja, sogar übermütig rübergebracht werden, damit es glaubwürdig ist. Leonora starrt einen aber die ganze Zeit unverwandt an wie die Stalkerin, die einen seit Wochen nachts durchs Fenster beobachtet oder morgens unerwartet beim Bäcker mit genauso einem Ausdruck plötzlich da steht, wenn du dich umdrehst und dir mit „fröhlicher“ Stimme „Liebe ist für alle da“ zuflüstert. Okay, ich bin zu fies. 😉 Aber man sah ihr zu sehr die Angst an, auf der ESC-Bühne zu stehen. Wie eine Maus vor der Schlange. Sie war wie erstarrt und verkrampft, das Lächeln maskenhaft. Das konterkariert die Botschaft, aber ich freue mich trotzdem über ihr Weiterkommen!
Dann „Esmeralda“ mit nöhliger, Schmerz gefüllter Stimme, die ihre Landsleute zur Rückkehr bewegen will. Sorry, bewegen würde ich mich da schon, aber in die entgegengesetzte Richtung und zwar fluchtartig. Kam dennoch weiter, womit sie vermutlich Nutznießerin der Auswanderungsbewegung ist, die sie anprangert. Habt Ihr auch darauf gewartet, dass Quasimodo endlich um die Ecke biegt? 😀 Lerneffekt gab es auch: Botox ist in Albanien angekommen, aber warum auch nicht? Botox-Lippen für alle! Also, wer’s mag natürlich nur 😉 . Ich hätte mich mehr über ein Weiterkommen von Srbuk gefreut, die gesanglich und von der Darbietung solide für Armenien abgeliefert hat und Walking Out gefiel mir ja vorher schon ganz gut.
Norwegen hinterließ Eindruck, ja, aber keinen guten. Besonders der schlanke blonde Sänger überzeugte stimmlich nicht. Die traditionellen Töne des Sängers mit ohne Haare boten eine gern gehörte Abwechslung, aber insgesamt…nö. Darbietung erinnerte stark an die Neunziger, nicht dass man gern erinnert worden wäre. 😀 Warum hat der Spirit in the Sky sich nicht erbarmt, den Anrufungen nachgegeben und die Norweger mit sich fortgetragen? Stattdessen sind sie weiter.

Schlimmer als Norwegen fand ich jedoch viele der rausgefallenen Beiträge, so dass ich und die Anrufer des 2. Halbfinales doch erstaunlich stark auf einer Linie lagen.

Der österreichische und der lettische Beitrag waren seeeehr nervig. Also, sehr. Ja, die unendliche Wiederholung bestimmter Songteile setzt sich im Ohr fest. Das tut eine Mittelohrentzündung jedoch auch, was beweist, dass es nicht in jedem Fall eine positive Sache ist. Wenigstens trafen die Lettinnen die Töne. Eine ESC-Regel sollte sein, dass man die Lieder auch beherrscht, die man aufführt, ist es aber leider nicht. Doch Paenda hat es wenigstens versucht, während Irland die Arbeit direkt verweigert hat. Wo Österreich überambitioniert gewesen ist, hat Irland einfach nur gelangweilt den Kopf geschüttelt und ganz Europa und dem interessierten Ausland ins Gesicht gegähnt. Und die Sängerin hat die lahme Melodie noch nicht mal richtig hinbekommen. Die Darbietung im American Diner passte weder zum Song noch zum ESC. Vielleicht wollte Irland genauso wie Albanien seine Auswanderer zu Unterstützern  machen, hat aber vergessen, dass die Auswanderungswelle schon ewig her ist und die USA sowieso nicht stimmberechtigt sind. 😀
An mangelnder Ambition litt der Kroate Roko ganz und gar nicht. Unterstützt von zwei Engeln und eigenen Goldflügeln gab er alles, erinnerte mich an Guido Maria Kretschmer. Nicht wegen der Flügel und Engel, eher vom Outfit und Typ her. War insgsamt als ESC-Beitrag ganz nett, aber nicht mein Geschmack und überraschender Weise auch nicht der der abstimmenden Zuschauerschaft.
In den rumänischen Auftritt wurden noch mehr Elemente hineingestopft und bot so wenigstens den Augen einiges. Man wusste nicht, ob man auf die Leinwand, die merkwürdige Aufmachung der Tänzer, ihre sich windenden Körper oder die Blusen der Sängerinnen gucken sollte. Den Song konnte das Brimborium jedoch nicht retten, auch nicht vor der Rauswahl.
Litauens Sänger hat sich im Gegensatz dazu auf ein einziges Showelement verlassen und uns die Schlagerhand wieder auf die ESC-Bühne gebracht. Ausstrecken, Finger spreizen, zur Faust ballen, zurück zur Brust ziehen. Und das gefühlt hundertmal in dem kurzen Liedchen. Wo waren die Löwen? Etwas Kraft und Energie? Waren wohl woanders beschäftigt und hatten keine Zeit mit den Löwen zu laufen.

Kommen wir zu den Ländern, deren Beiträge ich mag und die tatsächlich weitergekommen sind. Wie gesagt, Australien hat es am Dienstag echt geschafft, meiner Meinung einen weiteren und ordentlich positiven Schub zu geben. Gänsehaut! Aber was war das am Donnerstag?! Wo blieben Ideen und Innovationen?!

Luca Hänni und seine Tänzerinnen hatten keine schönen Outfits an. Was die Overknees für die Frauen ist anscheinend das Netzhemd für die Männer. Beides sieht gleich doof und billig aus, obwohl es mutmaßlich sexy sein soll. Die LED-Leinwand in Rot und Weiß stellt eher eine Bildstörung dar als einen Augenschmaus. Tanzen kann er ja super, aber warum musste er die ganze Zeit grinsen? Ja, schön, dass er sich so über die Teilnahme freut, aber kann er das nicht nach dem Auftritt zeigen? Es passt halt nicht zum Song. Der muss verrucht und sexy dargeboten werden. Das Video war um einiges besser und ich war enttäuscht vom Auftritt, obwohl er und das Lied wirklich gut sind (dass ich das mal über einen DSDS-Sieger sagen würde 😉 ). Warum hat er sich nicht am eigenen Video orientiert?! Man hätte es nicht nachspielen sollen, aber Anleihen nehmen.
Sergey aus Russland hat ebenfalls ein sehr gutes Video, aber Song und Bühnenshow haben wir wirklich schon drölfzigmillionen Mal beim Eurovision de la Chanson erlebt. Und Spiegel sind nicht mehr innovativ, auch nicht, wenn sie nur pseudomäßige LED-Wände sind und der Sänger tausendmal darauf projeziert wird. Hoffentlich gewinnt Scream nicht, sonst setze ich seine Aufforderung um.
Der schwedische Beitrag kommt bei vielen an, aber ich finde ihn sehr konventionell. John Lundvik ist sehr ambitioniert, was man seinem Auftritt wirklich ansieht, aber vom Hocker reißt er mich nicht.

Das niederländische Lied finde ich ja toll. Mein Sieger! Aber der Auftritt enttäuschte mich! Ein Klavier (sah eher wie das Keybord eines zweitklassigen Alleinunterhalters aus . oh ich bin heute so böse 😉 )  und der Sänger, blaues Wischiwaschi im Hintergrund und schließlich eine Lichtkugel, die einfach nur baumelt und sonst nicht viel tut. Sie haben sich was dabei gedacht, nur WAS ist die Frage. Es hätte nur ein paar kleine Änderungen gebraucht, um mir zu gefallen: Das Klavier weg, Herr Laurence nackt…Nein, Spaß, also er natürlich angezogen, die Lichtkugel schwenkt hin und her, wir mal heller, mal dunkler, am Ende geht sie kurz aus und wenn sie wieder angeht, strahlt sie stark und ein Chor (soviele Menschen wie möglich, denn es ist ja nur eine gewisse Anzahl auf der Bühne zugelassen. Leider, denn dreißig Sänger und Sängerinnen wären super gewesen), der inbrünstig  Ahaaahaahaaa singt. Wow! So hieß es eher: Lau. Schade, ABER Duncan Laurence ist weiter und am Samstag wird sein Auftritt hoffentlich noch eine Schippe drauflegen. Genauso wie Herr Hänni bitte! Bitte!!! Da geht noch mehr!

So, jetzt bleibt uns nur auf den Samstag zu warten und das Beste zu hoffen. Unfair finde ich, dass die Big Five und das Gastgeberland nur beim Finale auftreten dürfen. Statt einer Showdarbietung während des Votings könnten doch die gesetzten Länder auftreten. Das würde ihnen die Möglichkeit geben, sich ebenso wie die anderen Beiträge ins Ohr der Zuschauer zu setzen und damit einen Wiedererkennungswert beim Finale zu haben. Deutschland wird in jedem Fall nur Außenseiter-Chancen haben, was mir jedoch egal ist. Ist es mir seit Jahren. Stattdessen hoffe ich unbedingt auf Laurence Duncan! Tu was an deiner Show, Junge!!

Wie habt Ihr das zweite Halbfinale empfunden? Die gesanglichen Leistungen, die Auftritte selbst? Hat sich Eure Meinung hier und da noch positiv oder negativ verändert?

 

 

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1. Halbfinale des ESC 2019

ESC Israel 2019

Tja, was soll ich sagen? Ich muss jetzt erst mal meine Gedanken sortieren. Es war…heftig.

Das erste Halbfinale hat mir wieder schmerzlich vor Augen geführt, was ich am ESC hasse. Ich hasse es, dass Beiträge, die schlecht gesungen, schlecht aufgeführt, langweilig oder einfach doof sind, ins Finale gewählt werden, während innovative, schöne, toll gesungene und dargebotene Sachen rausfallen! Okay, Musikgeschmäcker sind verschieden, aber ich hasse das trotzdem! San Marino – really?! Serbien-really?! Weißrussland-really? Island – really?! Slowenien -really?! Weiterlesen?

Eurovision Song Contest- Israel 2019 – Dare to Dream

ESC Israel 2019

Zugegeben, Israel war letztes Jahr nicht Sieger meines Herzens. Ungeachtet der wichtigen Botschaft empfand ich den Beitrag als absolut nervig. Nicht nur das Gegacker, auch das Flügelschlagen und die rollenden Augen der Künstlerin….brrrrrr. Okay, inzwischen habe ich mich davon erholt und bin über den Sieg hinweggekommen. Insgesamt konnte die Show überzeugen, die aus deutscher Sicht ebenfalls überaus erfreulich verlief. Nach Jahren der letzten Plätze war das Balsam für die Seele. Nicht, dass ich noch besonderes Augenmerk auf die deutschen Beiträge legen würde. Dafür haben wir doch wirklich viel zu viel durchschnittlich und sogar schlechte Sachen hingeschickt, als das ich noch mitfiebern könnte. Doch all das liegt hinter uns und der ESC 2019 klopft unüberhörbar an unsere Tür. Zeit, sich endlich mit den AnwärterInnen auf den diesjährigen Musik-Thron auseinanderzusetzen.

Ich habe das endlich am letzten Wochenende getan, indem ich zuerst die vier Soundcheck-Shows auf Eurovision.de gesehen habe. Danach habe ich mir die Beiträge auf youtube angehört und die uninteressanten aussortiert. Die übrigen höre ich seitdem und möchte Euch nun die Ergebnisse dieses Prozesses offerieren. Eine Warnung: Es wird ein längerer Artikel werden. Also, ein langer! Weiterlesen?