Schlagwort-Archive: Buchkritik

[Rezension] Manchmal bringt nur ein Feuer Erlösung

After the Fire

„Father John controls everything inside The Fence. And Father John likes rules. Especially about never talking to Outsiders. Because Father John knows the truth. He knows what is right, and what is wrong. He knows what is coming.
Moonbeam is starting to doubt, though. She’s starting to see the lies behind Father John’s words. She wants him to be found out.
What if the only way out of the darkness is to light a fire?“
– Klappentext

Will Hill, Autor der Department 19 – Reihe, hat mit After the Fire einen gleichermaßen psychologisch-tiefgründigen als auch spannungsreichen Roman vorgelegt.

Die Geschichte entfaltet sich auf zwei Handlungsebenen: Weiterlesen?

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[Rezension] Die Wüste offenbart alle Geheimnisse

Versprechen der Wüste

Seit sie denken kann, ist Joan Seabrook fasziniert von der Wüste. Ihr Vater erzählte ihr abenteuerliche Geschichten über seine Reisen. Reisen, die wie sie später herausfinden sollte, nie stattgefunden hatten. Dennoch hatte er in ihr den Wunsch geweckt, einmal selbst die Weiten der Wüste zu erkunden. Sie vertiefte sich in die Bücher der Forscherin Maude Vickery und studierte Archäologie. Als Joans Bruder Daniel 1958 in den Oman versetzt wird, wo auch ihr Onkel als Vertreter der britischen Regierung lebt, erfüllt sich endlich Joans Traum. Gemeinsam mit ihrem Verlobten Rory reist sich in den geheimnisvollen Wüstenstaat. Dort möchte sie nicht nur ihren Traum erfüllen, sondern auch ihr großes Vorbild Maude Vickery kennenlernen, die als erste Frau die omanische Wüste durchquerte und seit über fünfzig Jahren im Oman lebt. Doch am Ziel angekommen, entwickelt sich alles anders als gedacht. Das Land befindet sich im Krieg, in dem der Sultan mit Hilfe der Briten gegen einheimische Rebellen vorgeht. Deshalb darf Joan sich nur in einem eng gesteckten Gebiet bewegen und ihre Bruder bekommt sie kaum zu Gesicht. Maude stellt sich als mürrische Frau heraus, die kaum etwas von sich preisgibt, und Rory scheint ein Geheimnis zu haben. Trotz allem kann sich die junge Frau nicht der Magie der Wüste entziehen und will sie unbedingt erkunden. Ihre neue Bekanntschaft Charles Elliot könnte der Schlüssel dazu sein. Seltsamerweise scheint Maude ihn abzulehnen, obwohl sie ihn gar nicht kennt. Weiterlesen?

[Hörbuch-Rezension] Harry Mulisch: Das Attentat

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Im Januar 1945 sind die Niederlande von den Deutschen besetzt und der zwölfjährige Anton Steenwijk lebt mit seinen Eltern und Bruder Peter in einem Reihenhaus in Haarlem. Eines Januarabends ertönen in der Straße Schüsse. Durch ein Fenster beobachtet die Familie, wie Nachbar Korteweg und seine Tochter den toten Kollaborateur Fake Ploeg vor ihr Haus bringen. Peter rennt hinaus, um Ploeg zurück vor das Haus der Nachbarn Kortewegs zu bringen. Sie alle ahnen, dass die deutsche Vergeltung brutal ausfallen wird und sich vor allem gegen die richtet, vor deren Tür der Tote gefunden wird. Schon sind die Deutschen da. Peter bleibt verschwunden, Anton wird von seinen Eltern getrennt, ihr Haus niedergebrannt. Erst viel später erfährt er, was in jener Nacht genau passiert ist. Außer ihm hat niemand aus seiner Familie die Vorgänge überlebt. Weiterlesen?

[Rezension] Ursula von Kardorff: Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942-1945

Kardorff

Ursula von Kardorff berichtet in ihren Berliner Aufzeichnungen aus den Jahren 1942 bis 1945 von ihrem Leben während der letzten Kriegsjahre. Ihr Alltag im Nationalsozialismus, die Bombenangriffe, Verluste von Angehörigen und Freunden, ihre Gefühlswelt, die zwischen Ängsten und Lebenslust schwankt, werden anschaulich in Worte gefasst. Die Tochter des Malers Konrad von Kardorff schrieb in jener Zeit für das Feuilleton der Deutsche Allgemeine Zeitung, ihrem teilweise adeligen Freundes- und Bekanntenkreis gehörten auch einige der Offiziere an, die am Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt waren. Demzufolge nehmen auch das Attentat und die folgenden Verhaftungen einen großen Raum in Kardorffs Notizen ein. Weiterlesen?

[Rezension] M.C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter

A Raisin

Agatha Raisin hat ihre erfolgreiche PR-Agentur in London verkauft, um mit 53 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Schon lange wünscht sie sich, ein Häuschen in den Cotswolds zu besitzen und nun hat sie diesen Traum wahrgemacht. Im beschaulichen Dörfchen Carsley bezieht Agatha ein hübsches Cottage und beginnt ziemlich schnell, sich zu langweilen. Die Dorfbewohner sind höflich, aber distanziert und der Neuankömmling hat nichts zu tun, um sich abzulenken. Als ein Backwettbewerb über die beste Quiche ausgerufen wird, meldet sie sich an. Vielleicht wird sie als Siegerin die gebührende Anerkennung des Dorfes finden? Da Agatha in keiner Weise kochen oder backen kann, setzt sie Preisrichter Cummings-Browne einfach eine gekaufte Spinatquiche vor. Da sollte doch mit dem Sieg eigentlich nichts mehr schiefgehen dürfen. Stattdessen gewinnt allerdings die Frau, die seit Jahren den Hauptpreis abräumt. Als sei das nicht schon genug, wird der Preisrichter am nächsten Tag tot aufgefunden. Vergiftet mit Agathas Quiche! Ihr ist schnell klar, es kann sich nur um Mord handeln und wenn sie die Anerkennung des Dorfes schon nicht durch ihre nicht vorhandenen Backkünste gewinnen kann, dann eben wenigstens mit der Aufklärung des Mordes.

Agatha Raisin und der tote Richter ist der erste Band in M.C. Beatons Reihe um die Amateurdetektivin in den Cotswold. Obwohl die Reihe schon in den Neunzigerjahren in Großbritannien gestartet ist, wird sie in Deutschland erst seit wenigen Jahren verlegt. Abgesehen davon, dass moderne Technik wie Handys oder Internet nicht vorkommt, wirkt der erste Roman überhaupt nicht angestaubt.

Der Schwerpunkt liegt auf Agathas Figur und ihrem neuen Leben in den Cotswolds. Allerdings dürfte sie nicht auf alle Leser gleichermaßen sympathisch wirken.  Vermutlich kann man sie entweder nicht ausstehen oder mag sie rundweg. Agatha ist eine Frau, die vielleicht nicht immer weiß, was sie tut. Umso besser weiß sie dafür, was sie will und wie es erreicht werden kann. Als erfolgreiche PR-Beraterin geht sie dabei allerdings selten feinfühlig vor und trifft bei der Dorfgemeinschaft häufig auf Unverständnis. Hinzukommt, dass sie es einfach nicht gewohnt ist, „nichts zu tun“. Von der hektischen Großstadt ins beschauliche Dorfleben zu wechseln, bringt also einige Veränderungen und Schwierigkeiten mit sich. Wie Agatha mit diesen umgeht und den Mordfall um einen Preisrichter löst, sind die beiden Handlungsstränge des Romans. Dieser umfasst knapp 250 Seiten und ist in lockerem Stil verfasst.

Der Kriminalfall ist allerdings genauso wenig raffiniert konstruiert wie die Ermittlungen seitens Agathas oder der Polizei. Für einen überzeugten Krimifan, der sich völlig auf das Verbrechen und seine Aufklärung konzentrieren möchte, ist M.C. Beatons-Reihe also kaum die richtige Wahl. Wer allerdings anheimelnde, teilweise komische Geschichten, kauzige Figuren und britisches Flair mit einem Schuss Krimi in der Tradition von Agatha Christie mag, sollte von ihr bestens unterhalten werden.

Agatha Raisin und der tote Richter ist amüsant und sehr kurzweilig, wenn der Mordfall auch gerne etwas ausgeklügelter hätte ausfallen dürfen. Trotzdem bietet M.C. Beaton (übrigens ein Pseudonym) abwechslungsreiche Lektüre für Zwischendurch.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

M.C. Beaton, Agatha Raisin und der tote Richter, Bastei Lübbe 2013.

 

 

[Rezension] Kate Morton: Die verlorenen Spuren

DieverlorenenSpuren

Mit fünfzehn beobachtet Laurel wie ihre Mutter einen fremden Mann ersticht.
Mit über fünfzig stellt sie sich der Vergangenheit und will herausfinden, was Dorothy dazu getrieben hat. Es ist eine Geschichte von Liebe, Verrat und Angst, die sich langsam entfaltet und während der Bombenangriffe auf London ihren Anfang nahm.  Weiterlesen?

[Rezension] Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

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Tao arbeitet auf einer Obstplantage. Tagein tagaus klettert sie in den Bäumen herum und bestäubt die Blüten von Hand. Es ist eine sehr anstrengende Arbeit. Selten haben die Arbeiter einen freien Tag. Doch seit die Bienen verschwunden sind, existiert keine andere Möglichkeit, um Ernten einbringen zu können.

George besitzt mehrere Bienenvölker. Er hofft, dass sein Sohn Tom einmal den Betrieb übernehmen wird, doch der möchte Journalist werden. In die Sorge um seine Nachfolge mischt sich die Nachricht, dass eine Krankheit die Bienen bedroht. Tatsächlich bleiben seine Völker nicht verschont.

Ursprünglich hat William Biologie studiert und sein Professor setzte große Hoffnungen in ihn. Doch dann heiratete er und ein Kind nach dem anderen wurde geboren. William gab seinen Traum auf und verdiente den Unterhalt als Saatguthändler. Als sein Professor ihm das vor Augen führt, stürzt William in eine tiefe Depression. Erst die Beschäftigung mit den Bienen hilft ihm, sich daraus zu befreien und voller Zuversicht in die Zukunft zu sehen. Doch auch dieser Weg birgt Rückschläge. Weiterlesen?