Schlagwort-Archive: Buchkritik

[Rezension] Michael Bond: Paddingtons große Stunde

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Paddington, der Bär aus Peru mit der Vorliebe für Marmeladenbrote, erlebt wieder allerhand Abenteuer. Dazu gehören u.a. der Wettbewerb um den schönsten Garten, eine Geburtstagsparty für Mr. Gruber, die Teilnahme in einer Kochshow und der Besuch eines Varietés. Natürlich bringt der pelzige Hausgast der Browns sich dabei häufig selbst in die Bredouille. Weiterlesen?

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[Rezension] Ariel S. Winter: Mr. Sapien träumt vom Menschsein

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Mr. Sapien ist ein Android, der noch von Menschen gebaut wurde. Er empfindet das als Auszeichnung und ist fasziniert von den Lebewesen. Seine Umwelt hält ihre ehemaligen Schöpfer jedoch für minderwertig. Auch können Roboter sich mittlerweile gegenseitig erschaffen und sind nicht mehr auf die wenigen Menschen, die es noch gibt, angewiesen.

Aufgrund seines Alters wird von ihm erwartet, sich selbst zu deaktivieren. Um darüber nachzudenken, zieht Mr. Sapien sich in ein abgelegenes Strandhaus an der englischen Küste zurück. Das gehört zum Anwesen Barron Cove, das die Familie Asimov von dem ehemaligen menschlichen Besitzer geerbt hat. Unvermittelt wird der Mieter in die Zwistigkeiten der Familie involviert, die sich alle um den mysteriösen Bewohner Beachstone zu drehen scheinen. Könnte der Grund hierfür sein, dass der ein Mensch ist?

Ariel S. Winters erschafft mit wenigen, treffenden Worten eine lebendige und überzeugende Welt. Technische Details werden verständlich dargestellt und stören den Lesefluss in keinster Weise. Vielmehr findet sich der rasch zurecht und kann sich auf die Handlung konzentrieren.
Die Perspektivwechsel vollziehen geschmeidig. Nichtsdestotrotz muss man sich nach jedem Wechsel erst orientieren, weil er durch das Layout nicht angedeutet wird. Die unterschiedlichen Erzählstimmen entsprechen der jeweiligen Persönlichkeit der Figur. Deren Intentionen und Gefühle werden überzeugend dargelegt. Wenig überraschend sind auch bei Andrioden nicht nur sympathische Individuen zu finden. Stattdessen sind aber Vertreter aller „Denkrichtungen“ vertreten. Roboter, die Menschen verachten. Solche, die sie bewundern und von ihnen lernen wollen. Und es gibt die, die einen Menschen lieben. Der Mensch Beachstone, um den sich alles dreht, lernt der Leser hingegen nur durch den Blick anderer kennen. Dabei wäre es gerade in seinem Fall sehr interessant gewesen, zu erfahren, wie er sich als einziger Mensch unter Robotern fühlt. Warum sucht er offensichtlich nicht die Nähe zu anderen Menschen? Was hat ihn überhaupt nach Barron Cove verschlagen? Leider entsteht auch hier das Gefühl, dass der Autor die wirklich spannenden Fragen oft umschifft.

Der Roman umfasst nur wenige Seiten und konzentriert sich auf einen begrenzten Zeitrahmen und überschaubares Personal. Dadurch fällt es dem Autor vielleicht leichter, seine Geschichte zu spinnen. Für Leser ist es hingegen mehr als schade, dass die spannende Zukunftsvision nicht stärker ausgelotet wird. Es gibt so viele Punkte, an die der Autor hätte anknüpfen können und über die der Leser gerne mehr erfahren hätte.

Einerseits gibt es viele spannende und unterhaltsame Momente, die auf einen höheren Sinn verweisen. Andererseits meandert die Handlung vor sich hin und löst die Hoffnung auf eine abschließende Offenbarung oder Wendung nicht ein. Zwar gibt Mr. Sapien schließlich noch etwas Überraschendes über seine Vergangenheit preis, doch das geschieht auf so unspektakuläre Weise, dass der Effekt verpufft.
Leider werden außerdem einige Seiten mit Handlung gefüllt, die sich letztlich als irreal herausstellt. Das verwirrt und irritiert, da auch hier die Absicht dahinter unklar bleibt. Wenig raffiniert ist ebenfalls, dass Mr. Sapien Informationen auf dem sprichwörtlichen Silbertablett serviert werden. Es wäre weitaus spannender, wenn er sie sich selbst schrittweise erarbeiten müsste.

Obwohl es sich bei den Figuren fast ausschließlich um Androiden handelt und dadurch technische Abläufe nicht unerwähnt bleiben, fühlt man sich an eine degenerierte Adelssippe erinnert. Emotionale Achterbahnfahrten, schwierige Beziehungen und Familiengeheimnisse lassen vermuten, dass Maschinen letztlich auch nur Menschen sind.

Stets bleibt die Frage, was der Autor seinen Lesern sagen möchte. Vermutlich will er sie zu philosophischen Überlegungen anregen, aber leider reizt er seine Möglichkeiten nicht genug aus, um das Ziel zu erreichen. Ja, es geht auch darum, was einen Menschen ausmacht. Welche Rolle der Tod spielt. Aber diese Überlegungen liegen wie im Nebel und erreichen den Leser kaum. Immer mutet es an, als wären irgendwo tiefgründige Wahrheiten verborgen. Doch sind sie dann wohl  so gut verborgen (oder nicht vorhanden?), dass sie sich nur schwer  erschließen.

Mr. Sapien träumt vom Menschsein ist kurzweilig und regt dazu an, ebenfalls über die Natur der Menschen nachzudenken. Leider schöpft Ariel S. Winter das Potenzial seiner Ideen nicht so aus wie sie es verdient hätten.

3/5 Schreibmaschinen

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Ariel S. Winter, Mr. Sapien träumt vom Menschsein, Doemer Knaur 2016.

Vielen Dank an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 

[Rezension] Jane Harris: Gillespie and I

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1888 reist die alleinstehende, nicht unvermögende Harriet Baxter nach Glasgow, um die Internationale Ausstellung zu besuchen. In Glasgow hofft Harriet auf ein wenig Erholung und Ablenkung zu finden. Eines Tages beobachtet sie, wie eine ältere Dame auf der Straße zusammenbricht. Dank einiger Kenntnisse in Erster Hilfe kann sie der Frau das Leben retten. Dankbar lädt Elspeth Gillespie ihre Retterin zu sich nach Hause ein. Als Harriet der Einladung folgt, erfährt sie, dass Elspeths Sohn ein aufstrebender Maler ist. Zufälligerweise ist sie Ned Gillespie sogar schon einmal begegnet, als eines seiner Gemälde in London ausgestellt worden war.
In den folgenden Monaten freundet Harriet sich immer stärker mit der Familie an und erlebt deren größte Tragödie mit.

1933 ist Harriet Baxter eine betagte Dame, die mit ihrer Haushälterin in London lebt. Verwundert, dass noch nie ein Buch über Ned Gillespie verfasst wurde, beginnt sie ihre Erinnerungen zu notieren. Sie beschreibt die schöne gemeinsame Zeit, aber auch wie Rose, die jüngste Tochter der Gillespies spurlos verschwand. Was geschah damals wirklich? Und warum hat Ned schließlich alle seine Gemälde, derer er habhaft werden konnte, zerstört? Weiterlesen?

[Rezension] Daniel Stashower: Sherlock Holmes und der Fall Houdini

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Daniel Stashower präsentiert uns mit Sherlock Holmes und der Fall Houdini ein lange unbekanntes Manuskript von Dr. Watson, dem Gefährten und Chronisten des großen Sherlock Holmes, höchstselbst verfasst. Dies fand er bei Aufräumarbeiten in einem altehrwürdigen Geschäft für Zauberei-Artikel und obwohl seine Freunde an der Echtheit zweifeln, möchte er es der Welt nicht vorenthalten…. Weiterlesen?

[Rezension] Sarah Perry: Die Schlange von Essex

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Nach dem Tod ihres Mannes bricht Witwe Cora mit Sohn Francis und Freundin und Kindermädchen Martha nach

Nach dem Tod ihres Mannes bricht Witwe Cora mit Sohn Francis und Freundin und Kindermädchen Martha nach Essex auf. Dort möchte sie sich auf die Suche nach Fossilien machen und ihrem Vorbild der Paläontologin Mary Anning nacheifern. Auf dem Land angekommen, erfährt sie von der mythologischen Schlange von Essex, die wieder erwacht und ihr Unwesen treiben soll. Die Menschen leben in ständiger Angst, Opfer des Untiers zu werden. Coras Neugier ist geweckt. Wäre es nicht fantastisch, wenn es sich bei der Schlange schlicht um ein urzeitliches Tier handeln würde? Und wäre es nicht noch viel fantastischer, wenn Cora zu dessen Entdeckerin werden würde? Durch ein befreundetes Ehepaar wird sie an die Pfarrfamilie Ransome verwiesen, die ihr die Küste zeigen sollen. Obwohl Cora zögert, lässt sie sich doch überreden. Doch dieser Besuch wird nicht nur für sie und ihre Gastgeber ungeahnte Folgen haben.
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[Rezension] Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro

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Mr. Stevens arbeitet als Butler auf dem Herrensitz Darlington Hall. Hier kennt er sich aus, bei ihm laufen alle Fäden zusammen, er ist pflichtschuldig und ergeben. Viele Jahre hat er dem adeligen Hausherrn gedient, jetzt steht er im Dienst des neuen amerikanischen Besitzers Mr. Farraday.

Der Leser begleiten Stevens auf einer mehrtägigen Reise, deren Ziel es ist, die ehemalige Hausdame Mrs. Kenton zu treffen. Da es schwierig geworden ist, geeignetes Personal zu finden, möchte er sie nach Darlington Hall zurückholen. Während er mit dem Auto durchs Land fährt, erinnert er sich an die vergangenen Dienstjahre. Wir lernen ihn immer besser kennen und sehen, wie er sich in Situationen gegenüber seinem Vater, der Hausdame oder dem Hausherrn Lord Darlington verhalten hat. Er sinniert über seinen Beruf und lässt Ereignisse Revue passieren. Weiterlesen?

[Rezension] Auslöschung von Jeff VanderMeer

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Eine Biologin nimmt an der elften Expedition in die geheimnisvolle Area X teil. Es handelt sich um ein Gebiet, dass von einer Flora und Fauna besiedelt ist, die es sonst nirgends gibt. Auf dem ein Leuchtturm und ein unterirdischer Tunnel Kampfspuren und tödliche Geheimnisse bergen. Dessen Dörfer längst verlassen sind. Aus dem die Teilnehmer der früheren Expeditionen entweder gar nicht oder absolut verändert zurückgekehrt sind. Die Biologin führen nicht nur fachliche Gründe dorthin.

Auslöschung ist der Bericht, den sie während ihres Aufenthalts in Area X verfasst hat.

Die Southern Reach Trilogie hat Preise und viel Lob erhalten. Manch einer soll die Geschichte sogar als Meisterwerk wahrnehmen. Diese Einschätzungen kann man (aus welchen Gründen auch immer) teilen, muss man aber nicht.  Weiterlesen?