[Rezension] Silenus

Silenus

George kennt seinen Vater nicht, aber er glaubt zu wissen, wer es ist. Eines Tages macht er sich auf die Suche nach ihm. Das ist allerdings nicht so einfach, da Silenus einer Truppe von Vaudeville-Künstlern vorsteht, die quer durch die USA von Theater zu Theater reisen.
Als George ihm schließlich gegenübersteht, muss er Silenus auch gleich vor einer großen Gefahr warnen. Gemeinsam mit dessen Truppe durchstreift er von nun an das Land, immer auf der Suche, immer auf der Flucht.

Es ist recht schwierig, Silenus zu rezensieren. Es gibt Schwächen, hat aber auch im wahrsten Sinne starke Seiten.

Das Cover deklariert den Roman als „Thriller“, was er definitiv nicht ist. Es handelt sich eher um Urban Fantasy ohne das übliche Personal oder Magischen Realismus. In jedem Fall handelt es sich um einen fantastischen Roman, der sich um die Frage dreht, was „die Welt im Innersten zusammenhält“. Und nichts weniger als die Welt steht dabei auf dem Spiel.

Das überaus ambitionierte Thema und seine Umsetzung ist gleichzeitig die Schwäche des Romans. Er wirkt als habe der Autor seinem Werk etwas zu angestrengt eine universelle und philosophische Bedeutung verleihen wollen. Außerdem nimmt die Geschichte sehr langsam Fahrt auf und durchläuft auch danach immer wieder Längen. Doch wenn der Leser darüber hinwegzusehen versteht, wird er ein spannendes und tiefgründiges Abenteuer erleben.

Einerseits trägt die Sprache den Leser mithilfe der ihr eigenen Kraft und ihres Charmes durch die Geschichte, die in ihren Parametern trotz allem stimmig ist. Andererseits sind es vor allem die Charaktere, die geheimnisvoll sind und faszinieren. Jeder von ihnen zeichnet sich durch eine einzigartige Wesensart und Tiefe aus. Sie sind das Herz der Geschichte und halten zahlreiche Überraschungen und Wendungen parat. Dies trifft zwar weniger auf den Protagonisten George aber umso mehr auf Silenus und die Mitglieder seiner Truppe zu. Sie bieten den eigentlichen Grund, weiterzulesen.
Zwar wäre es großartig gewesen, wenn das Thema des Vaudeville und seiner skurrilen Mitwirkenden noch etwas stärker im Zentrum gestanden hätten, doch ungeachtet dessen weiß auch das Setting zu überzeugen. Es ist voller überraschender, liebevoller und fantasievoller Details. Dadurch entsteht eine eigentümliche, düstere und bedrohliche Atmosphäre. Personen und Orte scheinen seltsam aus der Zeit gefallen. Und das wiederum weiß zu gefallen.

Insgesamt ist Silenus ein ungewöhnlicher Roman, der jeden Leser, der sich darauf einlassen kann, mit einer einzigartigen Atmosphäre, einer wendungsreichen Geschichte und bemerkenswerten Figuren belohnt.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Robert Jackson Bennett, Silenus, Piper 2012

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