[Filmkritik] Florence Foster Jenkins

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„Die Leute können vielleicht behaupten, dass ich nicht singen kann,

aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen hätte.“

Florence Foster Jenkins

Die reiche Erbin Florence Foster Jenkins und ihr Ehemann St. Clair Bayfield fördern die New Yorker Musikwelt. In ihrem Verdi-Club hält der ehemalige Schauspieler St. Clair Monologe, während seine Gattin sich als Walküre oder Muse inszeniert. Doch Florence, der Musik so viel bedeutet, möchte mehr. Sie möchte als Opernsängerin auftreten und die Menschen verzaubern. Allerdings lässt sie dabei außer acht, dass sie nicht singen kann und bereitet sich, unterstützt von St. Clair, dem schüchternen Pianisten McMoon und einem Gesangslehrer, auf ihren großen Auftritt vor. Der soll 1943 an keinem geringeren Ort als der ehrwürdigen Carnegie Hall und vor nicht weniger als dreitausend Zuschauern bzw. Zuhörern stattfinden.

Stephen Frears Werk basiert auf realen Persönlichkeiten und Begebenheiten. Florence war eine enthusiastische Opernsängerin, die aufgrund einer Syphiliserkrankung jedoch ihr Gehör verlor und kaum mehr einen Ton traf. Nichtsdestotrotz glaubte sie an ihr Talent und ließ sich auch von Kritikern nicht von ihrer Leidenschaft abhalten. Noch heute werden die Aufnahmen ihres Auftritts neben denen der Beatles oder Benny Goodman am häufigsten beim Archiv der Carnegie Hall angefragt.

Frears erzählt eine bezaubernde Geschichte über Hingabe und Individualität, die von manchen vielleicht fälschlicherweise als exzentrisch empfunden werden könnte. Florence folgt ihrer Leidenschaft, dem Operngesang, während St. Clair ihr liebevoll ergeben ist. Obwohl sie ihn finanziell unterhält, die beiden getrennt leben und er sogar eine Geliebte hat, vermittelt sich in jeder Szene ihre gegenseitige Liebe und tiefe Verbundenheit. Das Paar hat seinen eigenen Lebensstil und trotzt damit gesellschaftlichen Vorgaben. Die Inszenierung ist leichtfüßig und vermischt gekonnt Komik und Tragik. Laute Momente wechseln mit leisen Tönen. Nur wenige Szenen sind etwas albern geraten, doch das lässt sich verschmerzen, denn in keinem Moment wird Florence der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Zuschauer dürfen mit ihr, nicht über sie lachen. Auch werden sie nicht bevormundet und können ihre eigenen Schlüsse und Wahrheiten aus der Geschichte filtern.

Die Besetzung ist erstklassig, perfekt und ließe sich nicht besser zusammenstellen. Manchmal sagen ihre Blicke mehr als tausend Worte.

Die Darstellung der wohl schlechtesten Sängerin der Welt gleicht einem Balanceakt, der leicht hätte schiefgehen können, den eine Meisterin wie Meryl Streep jedoch mühelos bewältigt. Allein Töne mit so viel Verve haarscharf nicht zu treffen, ist eine Meisterleistung. Doch obendrein verkörpert sie die Möchtegern-Operndiva mit großer Warmherzigkeit und Liebe zur Figur. Sie verschreibt sich ihrer Aufgabe gänzlich, was auch Mut zur Hässlichkeit einschließt.

Allerdings lässt die Streep auch ihren Kollegen Gelegenheit zu glänzen. So spielt Hugh Grant als loyaler Ehemann, der seine Liebste bedingungslos unterstützt und vor Angriffen schützt, hier seine vielleicht beste Rolle. Er ist in jeder Szene glaubwürdig, unterstützt Meryl und bietet ihr Raum, sich zu entfalten, so wie es seine Figur mit Florence tut. Lobend erwähnt sei an dieser Stelle auch sein Tanzstil. Wer Zweifel an der Paarung Streep und Grant hatte, wird in jedem Fall eines Besseren belehrt. Auch Big-Bang-Theory-Howard Simon Helberg in der Rolle des Pianisten Comé McMoon ist ein Gewinn. Fühlt man sich im ersten Moment noch an seine Sitcom-Figur erinnert, schafft er es spielend (dreifaches Wortspiel 😉 ) , diesen Eindruck aufzulösen. An seiner Seite lernt der Zuschauer die Diva und ihre Welt kennen und lieben. In jeder Sekunde nimmt man ihm seine Schüchternheit und das ungläubige Staunen ab. Ebenso wie Meryl Streep umschifft er dank seines komödiantischen Talents auch alberne Situationen und schenkt ihnen Authentizität.

Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus die Ausstattung. Setting und Kostüme fallen überaus opulent und zeitgemäß aus, so dass die Optik des Films nur als wahrer Augenschmaus bezeichnet werden kann. Der Film wäre sogar ohne Ton sehenswert.

Wer noch nie im Kino Tränen lachen musste, soll versuchen, es auch in diesem Film nicht zu tun. Er wird mit höchster Wahrscheinlichkeit scheitern. Besonders eine Szene wird alle Dämme brechen lassen. Florence Foster Jenkins ist im besten Sinne ein Unterhaltungsfilm, der die Zuschauer beschwingt und gut gelaunt entlässt. Doch die sehr amüsant erzählte Geschichte kann auch als Plädoyer verstanden werden. Sie macht Mut, an den eigenen Träumen unabhängig von gesellschaftlichen Standards und Maßstäben festzuhalten. An sich zu glauben, den eigenen Weg zu finden und zu gehen, selbst wenn andere ihn lächerlich machen. Durch all das wird Florence Foster Jenkins den Zuschauern noch lange im Gedächtnis bleiben.

8/10 Tickets

8Tickets

Trailer Florence Foster Jenkins

Originalaufnahmen Florence Foster Jenkins

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2 Gedanken zu „[Filmkritik] Florence Foster Jenkins

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