[Rezension] John Boyne: Das Vermächtnis der Montignacs

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Als Peter Montignac stirbt, hinterlässt er nicht nur seine Tochter Stella und Neffen Owen, sondern auch ein ansehnliches Vermögen inklusive des imposanten Familienstammsitzes Leyville. Da der Besitz der Montignacs traditionell in der männlichen Linie weitergegeben wird, rechnet Owen fest damit, zum Alleinerben ernannt zu werden. Zumal sein Vater als Erstgeborener ohnehin der eigentliche Besitzer gewesen wäre. Doch überraschender Weise hat Peter Montignac mit der Tradition gebrochen und das gesamte Vermögen Stella vermacht. Owen ist darüber außer sich. Nun wurde er genauso wie sein Vater um sein Geburtsrecht gebracht. Und dann will Stella auch noch diesen Tölpel und Blumenfreund Raymond heiraten. Es läuft also nicht gut für Owen. Doch dann tun sich ein paar Möglichkeiten auf, die er nur ergreifen muss, um das Schicksal zu seinen Gunsten zu wenden. 

Die Geschichte ist im England der Dreißiger Jahre und seiner Oberschicht angesiedelt. John Boyne hat einen eleganten Roman geschaffen, der mit einer ausgeklügelten, doppelbödigen Geschichte, vielschichtigen Figuren, einem Schuss Gerichtsdrama und einer Prise großer Politik aufwarten kann. Obwohl es einen Mord gibt, ist es kein Kriminal-, sondern eher ein Gesellschaftsroman.

Die Handlung entwickelt sich unvorhersehbar und bleibt nichtsdestotrotz immer glaubwürdig. Stellenweise weiß der Leser nicht, wohin das Ganze führen soll, aber  genau das ist eine der Stärken des Romans. Anklänge an Hitchcock, insbesondere an Anatomie eines Mordes, sind subtil vorhanden. Vorallem das Ende ist überraschend und lässt den Leser nicht ungerührt.

Sprachlich geschliffen wird zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her gesprungen. Diese sind niemals verwirrend, sondern stets erhellend. Zur Identifikationsfigur eignet sich keine von ihnen, aber das stellt überhaupt kein Manko dar. Sympathieträger mag es geben, aber das kann nur jeder Leser für sich entscheiden. In jedem Fall werden ihm Einsichten, in die unterschiedlichen Motivationen und Empfindungen der Figuren geschenkt. All das gleicht einem Versuchsaufbau, dessen Objekte unter dem Mikroskop seziert werden.

Das Vermächtnis der Montignacs überzeugt auf ganzer Linie. Der Roman versetzt den Leser direkt in eine bestimmte Gesellschaftsschicht und Zeit. Erzählt wird eine spannende und vielschichtige Geschichte, die nur der Leser allein völlig durchschauen kann.Schade, dass Boyne wohl keine Fortsetzung geplant hat.

5/5 Schreibmaschinen

5Writer

John Boyne, Das Vermächtnis der Montignacs, Piper 2013.

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