[Rezension] Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

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Die siebzehnjährige Anouk und vier weitere Jugendliche werden für eine Expedition ausgewählt, die in einen sagenumwobenen unterirdischen Palast führen soll. Erbaut wurde er durch den Grafen Bessancourt während der Französischen Revolution. In Frankreich angekommen, läuft jedoch erst alles anders als geplant und dann völlig aus dem Ruder. Die Frage, welche Geheimnisse der Schmetterlingspalast birgt, entscheidet schließlich über Leben und Tod.

Die Geschichte springt zwischen den Jahren 2017 und 1789 und damit zwischen den beiden etwa gleichaltrigen Erzählerinnen Anouk und Aurélie. Aurélies Geschichte besticht durch Zeitkolorit und eine unheimliche Stimmung. Ihre Abschnitte sind zwar vergleichsweise kurz, aber dennoch Highlights. Der Fokus liegt allerdings auf Anouks Geschichte und Erlebnissen. Als Protagonistin bestreitet sie die nicht nur einen Großteil der Handlung, sondern ist auch die einzig wirklich ausgereifte Figur. Das übrige Personal dient entweder als Stichwortgeber, gruseliges Beiwerk oder machtvolle Antagonisten, die aber erst zum Ende ihre Bedeutung gewinnen. Dessen ungeachtet ist es wirklich erstaunlich, wie gut sich der junge Autor in die Gefühle, Motivationen und Wünsche seiner Figuren hineinversetzt.

Der Leser wird fast durchgehend unter Spannung gesetzt. Sei es durch vordergründige filmreife Action oder hintergründige Grusel- und sogar Horrormomente. Stellenweise geht es sogar recht brutal und blutig zu. Das passt zwar zur Handlung, schockiert jedoch zarte Gemüter. Die historischen Bezüge schaffen eine extrem düstere und mitunter morbide Atmosphäre. Währenddessen bereiten fantastische Elemente den Boden für philosophische Betrachtungen. Dank einer wunderbar opulenten, fast sinnlichen Sprache entstehen satte Bilder vor den Augen der Leser .

Es ist allerdings sehr bedauerlich, dass einige sehr vielversprechende Hinweise und Fährten nicht weiterverfolgt werden bzw. keine Auflösung finden. Im allgemeinen Rummel vergisst der Leser vielleicht die ein oder andere Frage, andere Sackgassen bedauert er dafür umso stärker. Da wirklich viele Themen abgehandelt werden, hätte es jedoch wohl an ein Wunder gegrenzt, wenn alle Fragen abschließend beantwortet  worden wären.

Anzumerken bleibt noch, dass das Schreibprinzip „Show, don’t tell“ leider stark missachtet wurde. Statt seinen Figuren Entdeckungen und eigene Schlüsse zu erlauben, lässt Bachmann seine Akteure schließlich einfach von ihren Geheimnissen und Plänen erzählen. Das ist leider etwas zu simpel.

Palast der Finsternis bietet ein im Großen und Ganzen gut durchdachtes, facettenreiches Lesevergnügen. Mögen manche Bausteine locker sitzen, die Konstruktion des Bauwerks begeistert und lädt den Leser zu einem unterhaltsamen Besuch in seine Abgründe ein.

4/5 Schreibmaschinen

4Writer

Vielen Dank an den Diogenes-Verlag und Lovelybooks, die im Rahmen einer LB-Leserunde auch mir ein Romanexemplar zur Verfügung gestellt haben.

Stefan Bachmann, Palast der Finsternis, Diogenes 2017.

2 Gedanken zu „[Rezension] Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

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